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Mit dem Paketboten im Weihnachtsstress

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Scrollen Sie nach unten, um mehr über den Alltag des Paketboten zu erfahren. Die Reportage enthält Videos. Kopfhörer sind daher von Vorteil. 
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Online-Shopping wird immer beliebter. An gewöhnlichen Tagen liefert die Post bundesweit rund fünf Millionen Pakete aus. Für die Vorweihnachtszeit werden mehr als elf Millionen Pakete täglich erwartet. Ein neuer Rekord.

Auch in der Region muss die Post in dieser Zeit mehr Fahrzeuge und mehr Personal einsetzen, damit die Pakete planmäßig beim Kunden ankommen. Für Paketboten bedeutet das mehr Stress. Wie halten sie das durch?

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Etwa 100 Paketboten kommen morgens zur Zustellbasis in die Heilbronner Austraße. Von hier schwärmen auch Stephan Possinke, Jani Fotiadis und Ibraham Diab (von links) in alle Richtungen aus.

Stephan ist an diesem Tag als einer von sechs Fahrern für Bad Friedrichshall verantwortlich. Vor ein paar Jahren hat er das mit drei Kollegen geschafft. Weil die Menschen aber immer mehr im Internet bestellen, werden im nächsten Jahr sieben Paketboten für Bad Friedrichshall zuständig sein.

In drei Wellen beginnen die Paketboten bei der Zustellbasis in Heilbronn morgens mit ihrer Arbeit: Um 8.30, 9.45 und um 11 Uhr. Wer da nicht auf Zack ist, bringt nicht nur den eigenen Zeitplan durcheinander.
 
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Damit die Paketboten die stressige Zeit gut überstehen, gibt es morgens warme Würstchen. Da freuen sich Tasal Hüseyin und Levent Akdogan (von links).  „In der Vorweihnachtszeit machen wir das einmal in der Woche, um die Kollegen bei Laune zu halten“, sagt Michael Weber, Leiter der Heilbronner Zustellbasis.

Stephan hat auch seine eigene Nervennahrung dabei: saure Würmchen. „An ganz stressigen Tagen esse ich ein Gummiwürmchen pro Straße. Normalerweise hält die Tüte aber zwei bis drei Tage", sagt er.
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Etwa 150 bis 200 Pakete liefert Stephan täglich aus. An diesem Tag sind es noch mehr. 120 Kunden warten auf ihre Lieferung.

Beim Beladen sortiert Stephan die Pakete: Jede Straße kommt in ein eigenes Fach. Ob wohl alle Paketboten früher gut in Tetris waren?

Zum Schluss verstaut Stephan die VIPs – Pakete mit Handys oder anderen teuren Elektrogeräten. Die holt er in der Lagerhalle aus einem verschlossenen Schrank. Sobald sie an Bord sind, ist der Lieferwagen abfahrbereit.
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An diesem Tag bekommt Stephan alle Pakete ins Auto. Das ist nicht immer so. Trotzdem wird er die Menge an Paketen nicht alleine schaffen. Deshalb bittet er einen Kollegen um Unterstützung bei der Auslieferung. Ob ihm Überstunden dank der Hilfe an diesem Tag erspart bleiben?
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Das schwere Tragen hält sich laut Stephan in Grenzen. „Vier oder fünf wirklich schwere Pakete sind heute dabei.“ Richtig anstrengend wird es, wenn bei solchen Lieferungen der Aufzug kaputt oder gar nicht vorhanden ist.

Zum Glück kommen die meisten Kunden entgegen. Stephan nennt sie "zustellerfreundlich." Solche Menschen nehmen auch für die Nachbarn Pakete an, lassen den Boten nicht lange an der Tür warten oder geben an, wo ein Bote das Paket ablegen soll, falls sie nicht zu Hause sind. 

Bei der Deutschen Post sind alle Mitarbeiter der Zustellung in einem Tarifvertrag beschäftigt. Der Einstiegslohn in der Region Heilbronn liegt derzeit bei mindestens 2373 Euro brutto pro Monat.  

Stephan hat die Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Post- und Expressdienstleister gemacht, weil er gerne mit Kunden in Kontakt kommt. Auch fünf Jahre später liebt er die Gespräche an der Haustür. 
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Manche Kunden erzählen gerne, was sie bestellt haben. Bei der Bad Friedrichshallerin Lore Kohle ist es zum Beispiel ein Kostüm für Fasching. „Falls es nicht passt, kann ich es einfach zurückschicken. Das ist mir lieber als es im Geschäft umzutauschen“, sagt die 77-Jährige. 

Lore Kohle zählt zu den Kunden, die nur ab und zu online bestellen. Die Hälfte von Stephans Kunden erwartet ihn aber fast täglich. Besonders in ländlicheren Regionen hat das einen einfachen Grund.
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Stammkunden bestellen bis zu 20 Pakete pro Woche, werden also fast täglich beliefert. In Stephans Gebiet bestellt rund die Hälfte der Kunden so viel. Grund sei auch die ländlichere Lage. "Wenn der nächste Baumarkt 20 Kilometer weg ist, dann bestellt man ein paar Schrauben natürlich lieber online", erklärt Stephan.

Stammkunden beliefert er am liebsten, denn das sind oft Leute, die viele Pakete auf einmal bekommen sollen. Im besten Fall hat der Postbote also mit einem Mal klingeln einiges los. 

30 Prozent seiner Kunden seien „mittlere Besteller“, die zwei- bis dreimal in der Woche ein Paket bekommen, und 20 Prozent seien „Spontankunden“, die teilweise nur einmal pro Monat etwas bestellen. Das Absurdeste, was Stephan bisher ausgeliefert hat? Brennholz.
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Über seine Stammkunden in Bad Friedrichshall weiß Stephan viel mehr als nur die Namen: Wenn der Mercedes nicht da steht, wird auch niemand die Tür öffnen. Freitagvormittags ist die Kundin oft beim Friseur - und auch ihre Arbeitszeiten kennt Stephan.

Er weiß genau, wo er Sturm klingeln muss, weil die Bewohnerin nicht mehr so gut hört. Bei ihr macht Stephan auch einen zweiten Zustellversuch. Er sagt: "Sie hat eine Gehhilfe und dann wäre es mies, sie zum Paketshop zu schicken."   

Den persönlichen Kontakt schätzt Stephan sehr. Auch das liege an der ländlichen Region. Die Nachbarn kennen sich, nehmen gegenseitig Pakete entgegen.
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"Ihr Paket liegt zur Abholung in der Filiale bereit", heißt es, wenn Kunden nicht zu Hause sind und auch keine Nachbarn aufzutreiben sind. Was ist dran an dem Vorurteil, Paketboten würden diese Benachrichtigung einwerfen, ohne überhaupt zu klingeln? 

Stephan sagt: "Wir haben die Richtlinie, dass wir maximal fünf Prozent der Kunden benachrichtigen sollen." Das klappe in 95 Prozent der Fälle. Und wenn Postboten abends mit 50 Benachrichtigungen zurückkommen, frage der Chef auch: "Äh, Kollege, was war denn los?" 

Zu diesem Zeitpunkt hat Stephan sechs Kunden benachrichtigt. "Ich denke, wir kommen am Ende des Tages auf zehn Benachrichtigungen. Das ist für einen Freitag okay." Der Freitag sei ein Tag, an dem viele Leute nicht zu Hause sind.
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Am Mittag hat Stephan 40 Pakete zugestellt. "Jetzt zur Weihnachtszeit ist es etwas stressig. Aber das gehört eben mit dazu", sagt er. Da das Auto aber immer noch voll ist, gibt Stephan einige Pakete an Frank Hoppe ab.

Der Zustellhelfer übernimmt knapp 30 Pakete - Stephan gewinnt so locker eine Stunde Zeit. Bei der Post ist jeder mal Zusteller, mal Zustellhelfer. Die Paketboten wechseln die Schichten.

Rund 10.000 zusätzliche Arbeitskräfte hat die Post in diesem Jahr bundesweit für die Vorweihnachtszeit eingestellt, wie Hugo Gimber von der Pressestelle Süd sagt. Dennoch schaffe es die Post, mehr als 98 Prozent der DHL-Pakete durch eigene Zusteller auszuliefern. 
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Normalerweise macht Stephan bei seinem Lieblingsdöner Pause. An diesem Tag muss ein kurzes Vesper im Auto reichen, denn es müssen noch 130 Pakete ausgeliefert werden. Stephan will bis 16 Uhr fertig sein.

Herausforderung angenommen.

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"Treppen sind unser schlimmster Feind. Die kosten immer Zeit", sagt Stephan. Über den Tag kommen so einige Stufen zusammen. Der Postbote rät deshalb: Nicht rennen - das geht sonst schnell in die Knie.

Die Krankenquote liegt bei der Post laut Verdi-Gewerkschaftssprecher Anton Eugen Schmid bei zehn Prozent. Das sei für diesen Bereich normal. 

Was Stephan außer Treppen noch nicht mag: "Eingänge, die hinter dem Haus nach einer ganz langen Einfahrt kommen. Da denke ich mir immer, dass ein Paketbote mal den Architekten beleidigt haben muss", sagt er.
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In der Vorweihnachtszeit bekommt Stephan kleine Geschenke. Karin und Michael Heinrich haben einen Schoko-Nikolaus, selbstgebackene Plätzchen und einen Umschlag mit Trinkgeld für ihn. "Mein Mann ist in der Pharma-Industrie, bekommt immer so viele schwere Pakete. Und Stephan ist immer so lieb. So etwas gibt es heutzutage kaum noch", sagt Karin Heinrich.

Das schönste Geschenk, das Stephan bisher bekommen hat, ist ein Schmetterling, den ihm ein kleiner Junge gebastelt hat. "Den habe ich mir als Glücksbringer ins Auto gehängt."
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Karl-Ernst Fickel steckt Stephan Trinkgeld zu: "Ich gebe vor Weihnachten gerne all den Menschen etwas, die uns versorgen. Denn das ist ja bestimmt sehr stressig." Fünf- oder sechsmal im Jahr bekommt der 72-Jährige Pakete.

Stephan nimmt das Trinkgeld dankbar an: "Ich denke mir immer, die Leute machen es ja nicht ohne Grund. Also mache ich meine Arbeit wohl gut." Das Geld kommt in seine Kasse für Kaffee, Kuchen oder Kino. "Damit lasse ich es mir gutgehen."
Noch ist die Arbeit aber nicht getan.




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Stephan muss weiter zum Neubaugebiet Pfaffenäcker. Es ist die letzte Etappe an diesem Tag, bevor er zurück zur Zustellbasis in die Heilbronner Austraße fährt. 

Wo er am nächsten Tag ausliefert, erfährt Stephan oft erst am Abend zuvor. Dieses Mal wird er in Neckarsulm sein - neben Bad Friedrichshall - sein zweites Hauptgebiet. Wenn sich jeder Paketbote in mehr als nur einem Gebiet auskennt, kann die Post auch Krankheitsfälle leichter auffangen.

Mit seinem Lieferwagen steht der Paketbote anderen Verkehrsteilnehmern regelmäßig im Weg. Busse lässt Stephan deshalb grundsätzlich vor. "Das ist ein Geben und Nehmen", sagt er. 

Feierabend hat Stephan aber noch nicht.




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Zurück in der Zustellbasis wirft Stephan einen Blick in den Wagen: Ein paar Pakete ist er nicht losgeworden, andere haben ihm Kunden als Retoure mitgegeben. Alle diese Pakete bringt Stephan zurück in die Lagerhalle in der Austraße. Von dort aus werden sie entweder in Paket-Shops gebracht oder weiter verschickt.
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Am Ende eines anstrengenden Tages ist der Wagen leer - gut eine Stunde später als zunächst erhofft. Stephan findet: "Wir haben den Tag gut rumgekriegt."

Feierabend verdient.

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Text, Videos und Umsetzung:
Michelle Christin List



Fotos: 
Michelle Christin List
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