Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Heilbronner Kneipenleben

Logo https://stimmeonline.pageflow.io/heilbronner-kneipenleben

An seine Lieblingskneipe erinnert man sich ein Leben lang. Wirklich? Stimme.de blickt in diesem Scrollytelling auf das Heilbronner Stadtbuch, einen Kneipenführer von 1990. Nicht alle der darin beschriebenen Lokale existieren noch. Was ist aus den Kneipen von einst geworden? Scrollen Sie nach unten, um in die Welt von Eulenspiegel, Club Pan, Uncle Sam und Europäischer Hof einzutauchen. 


Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

Mit Sicherheit eines der schillerndsten Lokale in der Heilbronner Kneipengeschichte. Der Besuch in der Wilhelmstraße, am Beginn des einstigen Rotlichtviertels, erfolgte nachts - oder morgens. Der Stadtbuch-Schreiber drückt es so aus: Der Euro biete "eine Gelegenheit für Nachtstreuner noch mal 'nen schnellen Schluck zu trinken". 

Nachtstreuner - ein Wort, das genauso verschwunden ist wie der Europäische Hof. Nach einer Sanierung Mitte der 2000er Jahre befindet sich in dem Gebäude zumindest wieder eine Gastronomie - wenn auch mit komplett anderem Konzept: kroatische Pita werden angeboten. 

Hinweis: Klicken Sie auf  den Pfeil oder auf "Vorher/Nachher-Ansicht starten", um den Vergleich zwischen früher und heute zu sehen. Mit dem Schieber in der Mitte können Sie die Ansicht verändern. 

Zum Anfang

Ausschnitt aus der Titelseite des Heilbronner Stadtbuchs - mit Preisangabe.
Vollbild

Das Heilbronner Stadtbuch von 1990

Aus Sicht der Onlineredaktion der Heilbronner Stimme ist es ein wahrer Schatz: Das Heilbronner Stadtbuch von 1990, ein Kneipenführer, in dem Autoren die Lokale der damaligen Zeit beschreiben. Malkasten, Fitzcaraldo, Schwarzer Kater - nicht wenige dürften in Erinnerungen schwelgen, wenn sie diese Namen hören. 

Michael Koch, ein Heilbronner, der nun in Wuppertal tätig ist, hatte in einer Facebook-Diskussion über die Gaststätte Glocke auf das fast vergessene Stadtbuch hingewiesen. In einem Regal bewahrt der 44-Jährige Erinnerungen an früher auf: Schülerzeitungen befinden sich darin, Bücher über Heilbronn - und eben das Stadtbuch. 

"Das Stadtbuch war damals eine wertvolle Hilfe", erzählt Koch. Um die 18 Jahre alt war er, als er in dem Heft erstmals stöberte. Unter anderem entdeckte er den Malkasten, der sich in der Wilhelmstraße befand. "Es war eine der schönsten Kneipen in Heilbonn mit einem verwunschenen Biergarten im Hinterhof." Etwas wehmütig wird er auch, wenn er an ein anderes Lokal denkt. "Ich bedauere es heute noch, dass es den Eulenspiegel nicht mehr gibt. Dort war es total gemütlich, es waren immer ein paar Intellektuelle da." 

Doch wie kam es überhaupt zur Entstehung des Stadtbuchs?

"Wir hatten das Gefühl, in Heilbronn passiert einfach nichts", erzählt Michael Rösch. "Es ist das typische Gefühl, das man mit knapp 20 hat." Michael und seinen Bruder Matthias Rösch kennt man in Heilbronn, die beiden haben die Firma Kinostar gegründet, die heute das Kino im Marrahaus oder das Scala in Neckarsulm betreibt. Zusammen mit rund einem Dutzend Mitstreitern arbeiteten sie an dem Stadtbuch - an Anzeigen, Druck, Vertrieb und Redaktion.  
Die Macher hatten sogar eigens einen Verlag gegründet, den Blopp-Verlag. "Ab und zu riefen Leute an und wollten Herrn Blopp sprechen", erzählt Rösch und schmunzelt - das "Blopp" bezog sich nämlich vielmehr auf das Geräusch, wenn man eine Champagnerflasche öffnet. 2000 vielleicht 3000 Exemplare lieferten die Stadtbuch-Schreiber an Verkaufsstellen aus, erinnert sich Rösch. Für fünf Mark ging ein Exemplar über die Theke.

Einen Nachfolger für das 1990er-Stadtbuch gab es - auch wenn er angekündigt war - nicht. Die Autoren zogen in die Ferne, verloren den Kontakt oder widmeten sich anderen Dingen. Und auch die Kneipen von einst sind zum Teil Geschichte.

Scrollen Sie weiter, um weitere Kneipenbilder von damals und heute zu sehen.  

Nachtrag: Gerd M. Hofmann hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass das erste Heilbronner Stadtbuch aus dem Jahr 1986 stammt - herausgegeben von ihm und einem Freund. Hofmanns Inspiration war das Münchener Stadtbuch. Alternative Stadtbücher waren damals vielerorts erhältlich. 




Ausschnitt aus der Titelseite des Heilbronner Stadtbuchs - mit Preisangabe.
Schließen
Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Ort an der Weinsberger Straße einmal die Stätte der Heilbronner Denker war. "Die Kneipe gilt als eine Art 'Ideologiezentrum' für linke und alternative Aktivisten", ist im Stadtbuch zu lesen. Heute fragt man sich: In welchem Lokal werden überhaupt noch politische und gesellschaftliche Debatten geführt?  

Die einstige Bedeutung hat das Gebäude längst hinter sich gelassen. Kürzlich war das Haus kurzzeitig in Tarnfarben gestrichen, die Cocktailbar "Camouflage" bestand nicht lange. Und jetzt ist ein Pizzalieferdienst an diesem Ort beheimatet. Zeiten ändern sich. 

Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

Als "verstecktes Kellerbistro" wird der Club Pan im Stadtbuch beschrieben - und auch heute muss man lange suchen, um ihn zu finden. Denn das Gebäude in direkter Nachbarschaft zur Firma Berberich existiert seit zwei Jahren nicht mehr. Das Hinterhof-Gebäude wurde abgerissen, der Keller, in dem sich der Club befand, zugeschüttet. Jetzt befinden sich an dieser Stelle Parkplätze.

Betreiberin Elke Bauschert schloss den Club nach seinem 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2006. Als Grund gibt sie die Mehrbelastung an. Damals - und auch heute - war sie in der Ebene 3 aktiv. An den Kellerclub denkt sie gerne zurück. "Es war eine tolle Zeit. Es gab genau drei Szene-Lokale damals: Schwarzer Kater, Eulenspiegel und Club Pan. Und wir waren mit Abstand die ersten, die ein regelmäßiges Kulturprogramm in einer Kneipe angeboten haben." 

Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

Das Uncle Sam war eines der ersten Lokale des Heilbronner Gastronomie-Urgesteins Thomas Aurich. Viele weitere, an denen Aurich beteiligt war und ist, folgten: vom Caipirinha über den Hagenbucher Biergarten bis zum Mangold, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Die Ecke Urban-/Südstraße machte Aurich nach der Uncle-Sam-Zeit mehr Sorgen als Freude. Der Gastronom sah in einem Hotel die Zukunft, suchte lange nach Investoren. Letztlich scheiterten die Pläne an einem Streit um geplante, mit dem Hotel verknüpfte Spielhallen

Im Uncle Sam verkehrten einst viele Amerikaner, später junge Leute im Nachfolger Klubsofa. Die Studentenkneipe schloss aus diversen Gründen Ende 2013.  Ein Jahr später erfolgte der Abriss des Gebäudes. Bis heute ist dort eine Brache zu sehen. 

Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

"Die Kneipe ist eine ausgesprochene Schülerkneipe. Die Schüler sind meist Popper." So steht es im Heilbronner Stadtbuch zu lesen. Für alle, die nach 1990 geboren sind: Popper, das war eine Jugendbewegung. Merkmale: materialistische Konsumlust und unpolitische Haltungen. Ein Muss war die Poppertolle mit asymetrischem Pony.

Haarig geht es noch heute in dem Laden zu: Statt des Katers prangt nun der Schriftzug "Karizma - beauty & hair" an der Fassade in der Lammgasse. An den Treffpunkt für junge Leute erinnert nichts mehr - außer die Zeilen im Stadtbuch: "Die gemütliche Inneneinrichtung besteht aus uralten Sofas, Stühlen und Tischen, die Wände sind mit Email-Schildern bestückt." Und nein, damit ist nicht E-Mail gemeint...  

Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

"Der Latasch war der erste Laden, der in Heilbronn Hamburger verkauft hat", sagt Daniel Engländer. Engländers Opa, Siegmund Latasch, taufte die Gaststätte in den 1960er Jahren auf den Namen "Urbräu Stuben". Schon bald wurde der Imbiss nur noch "Latasch" genannt. Aber warum taucht er in dieser Übersicht auf? Das Lokal war eben nicht einfach nur ein Schnellimbiss. Es war Anlaufpunkte für allerlei Nachtschwärmer, die im Rotlichtviertel unterwegs waren, Kneipe und Imbiss in einem.

Ab Mitte der 1980er Jahre verpachtete die Familie die Gastronomie. Auch wenn der Name und das Konzept als später Anlaufpunkt in den vergangenen Jahren weiterhin bestanden - "das, was den Latasch ausgemacht hat, das gibt es schon seit 25 Jahren nicht mehr", sagt Engländer. Und wird es wohl nie mehr geben. Denn der Fortbestand der Gastronomie ist fraglich. 

Zum Anfang
Schließen
Vorher/Nacher Ansicht

Vorher/Nachher-Ansicht starten

So sehr sich die Kneipenszene verändert und gewandelt hat - dieser Ort in der Hafenstraße hat seine Funktion beibehalten. Ins "Buko" kommt man am frühen Morgen, um seine letzten Kräfte mit wildem Gezappel loszuwerden. Den Imbiss nebenan gibt es damals wie heute. Und auch die Quintessenz aus dem Heilbronner Stadtbuch besitzt noch heute ihre Gültigkeit: "Entweder kommt man immer wieder oder nie mehr!" 

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden