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Heilbronn und sein Verkehr

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Leben entlang der großen Verkehrsachsen

Von Christian Gleichauf

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Heilbronn am Neckar? Oder Heilbronn an der A 6? Dass der Rest Deutschlands die Stadt vor allem vom Vorbeifahren oder aus den Staunachrichten kennt, daran haben sich die Heilbronner längst gewöhnt. Der Verkehr spielt aber nicht erst eine wichtige Rolle, seitdem er auf den Straßen regelmäßig stillsteht. Das Leben entlang der großen Verkehrsachsen gehört zum Selbstverständnis der Menschen hier, wahrscheinlich schon seit der Römerzeit, als wichtige Straßen das Gebiet durchzogen.

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Ein Glücksfall

Wichtigster Verkehrsweg ist über Jahrhunderte der Neckar. Heilbronn ist Hafenstadt, die erste große an diesem Fluss. Handel spielt früh eine zentrale Rolle. Und dieser erfährt im Jahr 1333 einen entscheidenden Schub durch das „Neckarprivileg“, das Heilbronn eine einzigartige Rolle zuspricht: Nachdem der Fluss mehrfach sein Bett gewechselt hat, erlaubt Kaiser Ludwig IV. den Heilbronnern, „den Neckher“ zu „wenden und keren wohin sie dunket“ – sprich, ihn nach Belieben zu nutzen. Das muss man den tüchtigen Bürgern nicht zweimal sagen. Sie stauen den Fluss, sichern damit die Stadt, versperren den Schiffen die Durchfahrt und können für die Passage Geld verlangen. Jackpot, so würde man heute wohl sagen.

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Erstmals in der Geschichte der Stadt zeigt sich hier, wie Infrastruktur den Ort prägt und verändert. Heilbronn nutzt seinen strategischen Vorteil geschickt und prosperiert.

Was nicht über den Fluss transportiert werden kann, wird auch damals schon auf die Straße verlagert – etwa auf die „alte Heilbronner Landstraße“, die über Sinsheim nach Speyer führt. Die teils auch als „Königsweg“ bekannte Route verbindet den Rhein mit Nürnberg. So wird im 14. Jahrhundert nicht nur Heilbronner Wein auf dem Nürnberger Markt verkauft, sondern auch viele andere Waren aus Westeuropa, die ihren Weg über Heilbronn genommen haben. 

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Als Reichsstadt wurde sie 1371 unabhängig und zum zentralen Warenumschlagplatz in Nordwürttemberg. An Einwohnern gemessen ist Heilbronn bis ins 16. Jahrhundert ähnlich groß wie Stuttgart – eine stolze Stadt, die sich ihrer wachsenden Bedeutung bewusst ist.

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Schifffahrt

Die Jahrhunderte gehen ins Land. Boote und kleine Schiffe werden damals von Menschen den wilden Neckar hinaufgezogen. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts übernehmen das mehr und mehr die Pferde, die auf den sogenannten Treidelpfaden unterwegs sind, von denen noch letzte Überreste bei Neckarsulm zeugen.

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In dieser Darstellung von 1835 wird ein kleines Handelsschiff von einem Pferd den Neckar flussaufwärts nach Heilbronn gezogen. "Pferden" wird diese Art der Fortbewegung in der Region auch genannt.

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Dann beginnt das 19. Jahrhundert mit einer bahnbrechenden Veränderung. Die Dampfschifffahrt läutet auf dem Rhein verkehrstechnisch die Moderne ein. Der Neckar ist erst einmal zu seicht für die schweren Schiffe. Eine Fahrrinne von 70 Zentimetern Minimum wäre notwendig gewesen, der Fluss mit seinen vielen Stromschnellen müsste zudem gezähmt werden. Das Großherzogtum Baden will kein Geld für Flusskorrekturen ausgeben. Die Heilbronner aber werden nervös und fürchten, eine große Chance zu verpassen.

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1839 wird die „Aktien-Gesellschaft für Neckar-Dampfschifffahrt“ gegründet. 1843 verkehren zwischen Heidelberg und Heilbronn bereits drei französische Dampfschiffe, die beladen mit einem Tiefgang von 30 Zentimetern unterwegs sind. „Inexplosible“ werden sie genannt – ihr Kessel soll nicht mehr ohne weiteres platzen, was die größte Gefahr der neuen Technik in den Anfangsjahren war.

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Zu einer Zeit, als entlang des Neckars noch keine durchgängige, befestigte Straße entlangführt, setzt man trotz hoher Verluste auf den Erfolg des neuen Transportmittels. Mehrfach bat man den König um finanzielle Unterstützung. Der Glaube an den technischen Fortschritt aber wurde nicht enttäuscht. Ab 1847 machte die Dampfschiffahrt Gewinne. Der Handel floriert – und: der aufkeimende bürgerliche Tourismus boomt.

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Bahn

Welch eine Zeit: Parallel zur Dampfschifffahrt etabliert sich die Dampfeisenbahn als neue Fortbewegungsart. 1848 kommt der erste Zug aus Stuttgart in Heilbronn an. Auch wenn man den Begriff damals noch nicht kennt: Die Stadt ist plötzlich trimodal angebunden. Ein Knotenpunkt für Straße, Wasser- und Schienenweg. Und über diese Verkehrswege kommen Menschen auf der Durchreise, Zuwanderer, Händler, Geschäftsleute in die Region.

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Die Bahnstrecke von Esslingen nach Heilbronn (unten)

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Postkutschen verkehrten bereits seit 1682 zwischen Stuttgart und Heilbronn. Nun erschließt man mit ihnen nach und nach von den Bahnhöfen aus das Hinterland. Der Raum beginnt zu pulsieren. Firmen siedeln sich an. Und plötzlich wird aus der wichtigsten Handelsstadt Württembergs auch die zweitwichtigste Industriestadt nach Stuttgart. Zuerst wird die Wasserkraft des Neckars zum Antrieb der Mühlen und Fabriken genutzt, später die Dampfkraft und dann die Elektrizität. Wieder einmal ist Heilbronn hier Vorreiter. Heilbronn und seine Umgebung bietet Arbeit für Tausende und Chancen für einheimische und fremde Unternehmen.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Schienennetz ausgebaut. Heilbronn ist wieder mittendrin. Schnellzugverbindungen von Paris nach Osteuropa machen vor dem Zweiten Weltkrieg in Heilbronn Halt. In Nord-Süd-Richtung ist die Stadt ein zentraler Durchgangspunkt für Verbindungen nach Berlin. Nach dem Krieg kappt die DDR-Grenze diese Verbindung. Heilbronn verliert auf den Schienenstrecken durch die Republik schnell an Bedeutung. ICE und IC fahren heute andere Bahnhöfe an. Heilbronn liegt heute im Bahnschatten – und was Fernverbindungen angeht, am Abstellgleis.

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Straße

Was wäre aus der Stadt geworden, wenn da nicht die Autobahn gekommen wäre. 

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In den 1960er Jahren baut der Bund die A 6 zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Das Weinsberger Kreuz bringt den Anschluss an die A 81, die in den 70er Jahren Richtung Würzburg verlängert wird. Und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs rollen plötzlich die Lkw aus dem Osten durch Europa und durch die Region. Ein Standortvorteil, der sich wieder wirtschaftlich auszahlt. Dann droht der Stillstand.

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Welche Lehren aus der Geschichte zu ziehen sind, lässt sich kaum abschätzen: Verkehrswege erleben Hochzeiten und Niedergang, gewinnen wieder an Bedeutung oder werden einfach stillgelegt. Was wird künftig das Triebmittel für das Leben in und um Heilbronn sein? Welche Verbindungen entscheiden über die Entwicklung der Region? 

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Eines hat sich gezeigt: Die Menschen hier hatten immer ein Gespür dafür, auf welchen Wegen es schnell vorwärts geht. Und wie man auch wirtschaftlich davon profitiert.

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Dank

Eine Quelle für diesen Artikel: Das Buch „Heilbronn – Der Neckar: Schicksalsfluß der Stadt“ von 1985, in dem der Heilbronner Heimatforscher Willi Zimmermann die Geschichte sehr gut darstellt. Außerdem die „Chronik über Straßenbau und Straßenverkehr in dem Großherzogthum Baden“ von F.J. Baer aus dem Jahr 1878. Hinweise gab auch Elisabeth Wilbs aus Bad Friedrichshall zum Streckennetz der Bahn. Ebenso der Bahnexperte Roland Rösch, der nur wenige Tage nach dem Gespräch für diesen Text starb. Vielen Dank an unser Stimme-Archiv-Team.

Fotos und Abbildungen:
Stadtarchiv Heilbronn, HSt-Archiv, Hermann Eisenmenger, Christian Gleichauf


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