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Der Weg des Heilbronner Mülls

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Der Wartberg und der Müll

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Langsam schieben sich die Tüten und Säcke aus dem Auto der Müllabfuhr. Auf dem Zementboden entsteht ein großer Müllhaufen. Hier lagern die Abfälle einer Straße, eines Stadtviertels – über kurz oder lang von ganz Heilbronn.

Wir befinden uns in einer etwa 20 Meter langen und 20 Meter breiten Lagerhalle auf dem Heilbronner Wartberg. Es ist ein bisschen staubig in der Halle. Jetzt im Winter stinkt es hier nur leicht nach Müll.

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Nachdem die Müllabfuhr abgeladen hat, schiebt ein großer Radlader den Müllberg zusammen. Dann kommt das nächste Müllfahrzeug und das Ganze wiederholt sich. Fast 20.000 Tonnen Restmüll sind es im Jahr.

Doch was passiert mit dem Müll, der in ganz Heilbronn in den Restmüll-Tonnen landet? Im Auftrag von Wolfgang Kynast haben wir uns auf die Suche gemacht.
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Wolfgang Kynast wohnt in Heilbronn-Sontheim. Und natürlich produziert er Restmüll. Bei jedem Heilbronner kommen im Schnitt 147 Kilo zusammen. Bei dem 66-Jährigen dürfte es etwas weniger sein. „Ich achte drauf“, sagt Kynast. Verrückt machen will er sich bei der Müllvermeidung aber nicht.

Bei den meisten Menschen endet das Interesse am Müll mit dem Weg zur Mülltonne. Aus den Augen aus dem Sinn. Beim ehemaligen Informatiker ist das anders. Im Netz tauscht er sich über das Thema aus. Besonders interessiert ihn: Auf welchem Wege gelangt der Müll zur Müllverbrennungsanlage und was passiert dort?
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Wolfgang Kynast erinnert sich an seine Jugendzeit. Da arbeitete er für eine Buchhandlung und fuhr regelmäßig Verpackungsmaterialien auf den Wolfszipfel. „In den 1960er und 1970er Jahren fuhr man noch tief ins Tal hinab."
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Egal ob Papier, Verpackungen oder Restmüll – damals landete alles auf der Deponie hinter dem Wartberg. Und wurde plattgewalzt und mit Erde zugedeckt. Mit den Jahrzehnten wuchs nicht nur die Mülldeponie, sondern auch die Sensibilität für den Umgang mit dem Müll.

Seit 1993 werden Leichtabfälle in Gelben Säcken gesammelt und somit auch getrennt verwertet. Seit 1999 gibt es die gesonderte Sammlung von Bioabfällen. Doch bis 2005 landete der Restmüll weiterhin auf der Heilbronner Deponie.
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Der Inhalt der Heilbronner Mülltonnen landet zwar auch heute noch auf dem Wartberg, aber er bleibt nicht dort. Die große Halle ist ein Müllumschlagplatz des Unternehmens AKG.

Nachdem die Müllabfuhren die Abfälle abgeliefert haben, rückt ein großer Sattelschlepper an. Der Radlader schaufelt den Müll von oben in den großen LKW. Jede Müllabfuhr bringt rund acht Tonnen Müll. Ein Sattelschlepper fasst locker das Doppelte.
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Wenn die drei Müll-Kammern des LKW voll sind, macht er sich auf den Weg zur nächsten Station. Von Heilbronn geht es zur Müllverbrennungsanlage. Der Restmüll aus Heilbronn landet zu fast gleichen Teilen in zwei Anlagen in Mannheim und Göppingen. 2016 gingen 9.300 Tonnen nach Mannheim, 9.500 Tonnen nach Göppingen.

Bis zum Heizkraftwerk in Mannheim sind es rund 100 Kilometer. Der voll beladene Sattelschlepper nimmt die A6.
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Wo Müll zu Strom wird

Schließlich landet der Restmüll auf der Friesenheimer Insel im Mannheimer Industriegebiet. Im Heizkraftwerk der MVV wird der Müll – neben Hausmüll auch Gewerbe- und Industriemüll - in drei verschiedenen Kesseln verbrannt.


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An einer Rampe wird der Restmüll aus dem Sattelschlepper gepresst und fällt in den riesigen Müllbunker. Ein Kranführer verteilt und vermischt den Müll mit einem riesigen Greifarm. Etwa acht Tonnen kann er mit jedem Griff fassen – so viel wie in einen Müllabfuhrwagen passen.
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Vom Führerstand aus wirft der Kranführer den vermischten Müll in eine Luke. Stück für Stück wird der Abfall auf einen geneigten Verbrennungsrost in den Kessel geschoben. Hier herrschen Temperaturen von rund 1200 Grad. Nach etwa zwei Stunden hat der verbrannte Müll das Rostende erreicht.
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„Durch die Verbrennung wird das Volumen des Abfalls auf etwa 10 Prozent reduziert“, sagt Kraftwerks-Betriebsleiter Frank Raffel. Übrig bleibt Schlacke, die beispielsweise im Straßenbau eingesetzt wird.

Die aufsteigende Wärme erzeugt Wasserdampf, der treibt eine Turbine an. So entsteht aus dem Müll Strom und Wärme. Pro Tonne Müll entsteht so viel Strom, wie eine dreiköpfige Familie in zwei Monaten verbraucht.
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Die Abgase werden in verschiedenen Schritten gesäubert. Pro Tonne verbranntem Müll entstehen 30 Kilo Staub. Der kehrt dann wieder in die Region zurück. Im Salzbergwerk Kochendorf werden Filterstäube aus ganz Deutschland eingelagert.
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Umsetzung

Text: Janis Dietz

Fotos: Janis Dietz und HSt-Archiv
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