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Der Himmelsstein von Lauffen

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Jahrzehnte oder vielleicht sogar Jahrhunderte lang soll vor dem Lauffener Rathaus ein Meteorit gelegen haben. In den 60er oder 70er Jahren soll dieser Meteorit dann verschwunden sein. Heute liegen auf dem Rathausplatz nur noch ein Tisch, eine Tafel und vier Kalksteinkugeln. 

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Eines ist sicher: Auf dem Lauffener Rathausplatz hat ein großer, dunkler und pockennarbiger Stein gelegen. So wird er zumindest von den Lauffenern, die sich an ihn erinnern, genannt.

„Der Meteorit hat sich toll angefühlt“, erinnert sich Reinhard Benz, „er war ein bisschen warm und hatte eine warzige Oberfläche“. Gretel Wahl, ebenfalls in Lauffen aufgewachsen, erinnert sich auch: „Der Meteorit war sehr groß und dunkel, in etwa so wie die Straße.“  

Bei der Beschreibung sind sich die Lauffener einig, bei allem anderen gehen die Meinungen auseinander. Manche gehen davon aus, dass ein Förster den Stein in Etzlenswenden gefunden hat, im 17. oder 18. Jahrhundert. Andere vermuten die Einschlagsstelle in Lauffen: beim heutigen CVJM-Haus an der Kiesstraße.

Die Frage, ob der besondere Stein nun ein Meteorit ist, lässt sich heute schwer diskutieren, denn in den 60er oder 70er Jahren ist er verschwunden.

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Michael Maichin erforscht in seiner Freizeit intensiv die Geschichte seiner Stadt. Er ist sich sicher, dass Lauffen mit dem Verschwinden des Steins eine Sensation verloren hat.
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Anfang der 60er Jahre bauten die Lauffener ihr Rathaus um. Irgendwann in dieser Zeit oder ein wenig später war der „Meteorit" plötzlich weg.

„Es gibt viele Gerüchte darüber, dass damals eine hochrangige Person den Stein an sich genommen hat", sagt Michael Maichin. Der 52-Jährige wohnt in Lauffen und interessiert sich für die Geschichte der Region. Vor circa drei Jahren erfuhr er von dem mysteriösen Verschwinden des Steins.

Seitdem sucht der Lauffener nach dem Himmelsstein. Ihm ist klar: „Für die Stadt wäre der Meteorit eine Sensation.“ Diese Sensation hätte er gern für die Stadt zurück.

Er hat eine Facebook-Gruppe gegründet, sich in Lauffen bei Zeitzeugen umgehört und in der Verwandtschaft Fotos eingesammelt, die den Rathausplatz vor der Renovierung zeigen. Doch eine heiße Spur hat Maichin bei seiner Recherche bisher nicht entdeckt. 
 



Michael Maichin erforscht in seiner Freizeit intensiv die Geschichte seiner Stadt. Er ist sich sicher, dass Lauffen mit dem Verschwinden des Steins eine Sensation verloren hat.
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Ein Tisch, vier Kalksteinkugeln und eine massive Steinplatte liegen heute noch vor dem Lauffener Rathaus. Martin Happel, Diplomgeologe aus Talheim hat hier jeden Stein umgedreht – wortwörtlich. „Als Geologe liegt die Geschichte in meinem ureigenen Interesse“, erklärt er.

Deshalb kommt er seit neun Jahren gelegentlich hierher, wenn möglich bei schlechtem Wetter, damit nicht so viele Touristen da sind. „Die fragen sonst, ob man ein Einbrecher ist“, sagt er und lacht.

Laut Zeitzeugen soll der Meteorit hinter einer Steintafel auf dem Rathausvorplatz gelegen haben. Lange hat Happel vermutet, auf dieser Tafel stünde etwas über den Meteoriten. Der Stein war lange der Witterung ausgesetzt, die Schrift lässt sich nicht mehr entziffern.

Im Stadtarchiv finden sich allerdings Unterlagen, in denen die historische Inschrift erhalten ist. Demnach gehörte die Platte zu einem Brunnen aus dem 17. Jahrhundert. Von einem Meteoriten ist nicht die Rede. 

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Bei einer seiner Erkundungstouren um das Rathaus entdeckt Happel eine Beule in der hinteren Burgwand. „Da dachte ich: ‚Wow! Da ist er eingemauert. Jetzt haben wir ihn.‘“ Gleichzeitig wundert er sich über den merkwürdigen Aufbewahrungsort für den wertvollen Stein.

Die Stadt bohrt die Wand schließlich an, um festzustellen, was sich dort versteckt. Zum Vorschein kommmt Kalk. Der Geologe Happel vermutet, dass es eine Kalksteinkugel ist, wie sie auch auf dem Rathausplatz liegen. Die Bewohner der Grafenburg beschossen damit ihre Feinde.



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Am 14. März 2014 erhält Martin Happel einen anonymen Anruf. Der Anrufer hat im Lauffener Boten gelesen, dass der Geologe nach dem Meteoriten sucht. Der Unbekannte spricht von einer Jugendsünde und davon, dass der Stein jetzt bei einem Parkplatz an der Landesstraße Richtung Ilsfeld liegt. Schließlich knackt es in der Leitung. Der Anrufer ist weg. „Es war wie ein Krimi“, erinnert sich Happel.  

Zusammen mit anderen Interessierten fährt der Geologe zum sogenannten „Hammermörder“-Parkplatz. Dort finden sie einen Stein, der zwar groß, schwer und rau - aber kein Meteorit ist.

Es handelt sich um ein Kieselholz, ein Stein, der sich vor 200 Millionen Jahren in der Form einen Holzes herausgebildet hat. Solche Kieselhölzer sind in der Gegend zwar keine Seltenheit, aber in dieser Größe trotzdem besonders. Das fossile Holz liegt heute wenig beachtet im Eingang des Burgmuseums. Denn ein Hinweisschild fehlt.

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Für das Lauffener Stadtarchiv ist der Fall seitdem erledigt. „Es gibt ein Foto, das beweist, dass das gefundene Kieselholz der gesuchte „Meteorit“ ist“, erklärt der Leiter Norbert Hoffmann. Das Foto stammt aus den frühen 60er Jahren.

Weder Martin Happel, noch Michael Maichin wollen sich mit dieser Erklärung zufriedengeben. Sie gehen davon aus, dass es noch einen weiteren Stein gibt, der nicht im Gebüsch, sondern hinter der steinernen Tafel lag.

„Vielleicht ist der andere Stein aber auch ein zweites Kieselholz“, wendet Happel ein. Mit einem Meteoriten hat das versteinerte Holz die ungewöhnliche Schwere gemeinsam.

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Wäre der zweite Stein ebenfalls ein Kieselholz, ließe sich einiges erklären: Zum Beispiel, warum der Meteorit weder in den Archiven noch im Verzeichnis der Meteoritical Society aufgeführt ist.

Denn auch, wenn der Meteorit im 17. oder 18. Jahrhundert gelandet wäre, hätte man ein so besonderes Ereignis wohl in Chroniken festgehalten. Meteoriten wie die von Stolzenau, Eichstätt oder Ortenau schlugen in dieser Zeit ein und sind auf das Jahr genau belegbar.

„Es ranken sich so viele Legenden um angebliche Himmelssteine“, sagt der Augsburger Meteoritenforscher Dieter Heinlein. Auch sein Kollege Ulrich Köhler vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum hat noch nie etwas über den „Lauffener Meteoriten“ gehört.

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Die fehlenden Aufzeichnungen sind auch Michael Maichin ein Rätsel. Er vermutet, dass im ländlichen Lauffen zu dieser Zeit niemand den Wert eines solchen Steines erkannt hätte.

Bis alle Rätsel gelöst sind, sucht er weiter nach aufschlussreichen Fotos oder Dokumenten. „Ich bin nach
wie vor 100 Prozent davon überzeugt, dass es hier einen Meteoriten gab oder vielleicht noch irgendwo gibt.“ 

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Text
Agnes Hilger

Bilder 
Janis Dietz, Michael Maichin, Stadtarchiv Lauffen, Archiv der Heilbronner Stimme


Bei weiteren Hinweisen oder Materialien zum Lauffener „Meteoriten“ bitte melden bei:

Martin Happel
happel@comdrill.de
0174 3217901

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