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Jüdische Spuren in der Region

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Seit 10 Jahren findet alljährlich der Europäische Tag der Jüdischen Kultur statt. Er will dazu beitragen, das europäische Judentum, seine Geschichte, seine Traditionen und Bräuche besser bekannt zu machen.

Im Südwesten Deutschlands finden Juden erstmals im 13. Jahrhundert eine urkundliche Erwähnung. Kurze Zeit später setzt eine  Reihe mittelalterlicher Pogrome ein, denen etwa 5000 Menschen von Würzburg über Hohenlohe bis Heilbronn zum Opfer fallen. Erst im 19. Jahrhundert erlangen Juden wieder bürgerliche Rechte. Mitte der 1920er Jahre nimmt der Antisemitismus in hohem Maße zu, um mit der Machtergreifung Hitlers 1933 im Holocaust zu enden.

Scrollen Sie nach unten, um mehr über das jüdische Leben in der Region zu erfahren. 




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Erste Synagogen finden sich im Mittelalter in Heilbronn, Bad Wimpfen, Öhringen, Schwäbisch Hall, Wertheim und Weikersheim.
 
Ein kostbares Andenken ist hier zu, aus dem Fundus Talheimer Juden, zu sehen: "Israels Gebete - Das Gebetbuch der Synagoge in poetischer Verdeutschung" von 1902. Das Büchlein ist zweisprachig in Hebräisch und Deutsch verfasst. Frida und Louis Manasse hatten es vor der Deportation ihrer Nachbarin Katharina Möhler zur Aufbewahrung gegeben.


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Die israelitische Religionsgemeinschaft in Heilbronn findet 2005 Herberge in einem ehemaligen Büro an der Allee.  Der "kleinen Synagoge", wie die Vorsitzende Avital Toren den Versammlungsraum und die Nebenzimmer samt koscherer Küche nennt, sieht man die frühere Nutzung als Büroräume heute noch an.

Doch sind sie mit den wichtigsten Dingen des jüdischen Glaubenslebens gefüllt: dem Schrank mit der auf Pergament geschriebenen Thora, den mehrarmigen Leuchtern, dem Tisch mit den Kippa genannten Kopfbedeckungen der Männer und den Gebetsschals.

Seit 1298 sind in Heilbronn Juden ansässig. In der Pogromnacht 1938 wird die prächtige Synagoge der rund 600 Menschen zählenden Gemeinde  von den Nationalsozialisten zerstört.

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Seit dem Kauf des Denkmals 2013 kümmert sich der Freundeskreis Ehemalige Synagoge Heinsheim um eine Sanierung. Ziel: Die Synagoge soll Begegnungsstätte und lebendiges Museum sein. "Jüdisches Leben war in Heinsheim lange Zeit zu Hause", bekräftigt die Vorsitzende Yvonne von Racknitz. "Dieser Teil unserer Geschichte darf nicht vergessen werden."

1796 in der Schlossgasse erbaut, wird die Synagoge unter nationalsozialistischer Herrschaft verkauft, und entgeht dadurch 1938 ihrer Zerstörung.

Hinweis: Klicken Sie auf dieser Seite auf "Vorher/Nachher-Ansicht starten", um den Regler in der Bildschirmmitte zu verschieben und den Unterschied am historischen Gebäude nach seiner Außenrenovierung im Jahr 2017 zu sehen.

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Ein abwechlsungsreiches Veranstaltungsprogramm jüdischer Kultur organisiert der Freundeskreis ehemalige Synagoge Affaltrach regelmäßig in dem 1987/88 renovierten Backsteingebäude mit Walmdach. Das dort 1989 integrierte Museum dokumentiert die Geschichte der Juden im Unterland.

Das Gebäude ist 1851 fertiggestellt. Darin sind Schulraum, Lehrerwohnung, Betsaal und rituelles Tauchbad (Mikwa) untergebracht. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Affaltrach reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

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Männern ist das Tragen einer Kopfbedeckung Kippa oder jiddisch Jarmulke vorgeschrieben, um Gott ihre Demut zu bezeugen und ihn zu ehren.
 
Gebetsmantel
oder Gebetsschal (Tallit und Zizit) legen männliche Gläubige an Festtagen, am Sabbat und zum Morgengebet an. Er soll daran erinnern, nach den Gesetzen Gottes zu leben.
 
Der Stoffgürtel (Gartl) wird während des Betens getragen.

Gebetsriemen oder Tefillin sind zwei lederne Schächtelchen, die Pergamentstückchen mit Textstellen aus der Tora enthalten. Der Text muss handschriftlich verfasst, das Material der Gebetsriemen  von koscheren Tieren sein.
 
Der Talmud umfasst religiöse Vorschriften und Überlieferungen; er liegt in zwei Fassungen vor: der ältere Jerusalemer Talmud und der Babylonische Talmud.
 
In der Heilbronner Synagoge liest Yehuda Pushkin (Bildmitte) am Purim-Fest 2011 aus der Ester-Rolle.










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Rabbiner Shneur Trebnik feiert 2003 mit der jüdischen Gemeinde Heilbronn in einem geschmückten fahrbaren Anhänger.

Sukka (Laubhüttenfest) heißt dieses Fest zur Erntezeit und erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Während des siebentägigen Feierlichkeiten halten sich die Menschen in einer eigens dafür errichteten, provisorischen Hütte auf.

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Das jährliche Lichterfest im Dezember erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 164  vor Christus. Die Arme der "Hannukkiyyah" stehen für die acht Tage, an denen man den heiligen Ort mit Öl reinigt; der neunte Arm ist der Diener.

2003 feiern Heilbronner Juden das erste Mal seit 1937 wieder gemeinsam Chanukka.

2016 wohnen etwa 40 Menschen in der Heilbronner Synagogengasse Wanderrabiner Yehuda Puschkin
beim feierlichen Anzünden der Kerzen bei.

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Das Fest will an die Errettung des jüdischen Volkes vor rund 2500 Jahren erinnern. Es wird im sechsten Monat des jüdischen Kalenders gefeiert. Der Gottesdienst ist fröhlich, Frauen und Kinder schwenken in der Heilbronner Synagoge Ratschen und Rasseln, Männer klopfen lautstark auf den Tisch. Nach der Schriftlesung stürmen festlich gekleidete Frauen, Männer mit Kippa und kostümierte Kinder das koschere Buffet (Bild aus 2011).


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Hochzeitsstein (Chuppa) aus der Fassade der alten Synagoge in der Eppinger Küfergasse. Nach jüdischer Tradition bringt es den Eheleuten Glück nach der Trauung ein Weinglas darauf zu zerschmettern.

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Obwohl es in Eppingen 1868 eine konfessionsübergreifende
Gemeinschaftsschule gibt, wird der Religionsunterricht getrennt durchgeführt. Ein Saal in der Metzgergasse wird für jüdischen Unterricht genutzt.

Das versteckte Portal gehört zu der jüdischen Schule im Gebäude des ehemaligen Schlachthauses Adler.

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Alte Schriften, die bewahrt werden sollen: Der Horkheimer Burgturm wird im 18. Jahrhundert als Synagoge genutzt. Restaurator Ekkehard Fritz und Dörthe Jakobs vom Landesdenkmalamt begutachten 2001 die Reste der Bemalung.

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1907 finden 32 Frauen und Männer in dem Sontheimer israelitischen Altenheim Wilhelmsruhe ein Zuhause.
Nach der Erweiterung in den 30er Jahren leben bis zu 150 Bewohner darin. 1940 "räumen" die Nationalsozialisten das Heim und bringen fast alle Bewohner in Zwangsaltenheime. Von dort aus werden sie deportiert und ermordet.

Nach dem Krieg dient das Gebäude als Frauenklinik,
danach als Nachsorgeklinik. Heute ist die Alice-Salomon-Schule für Erziehungshilfe dort untergebracht.

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Jüdische Gräber werden nie aufgelöst. Einmal belegt, ist ein Grab für alle Zeiten bestimmt.Blumenschmuck und Grabpflege sind für Juden tabu.

Kleine Kiesel als Besuchergabe liegen auf Grabsteinen oder Erdhügeln. Die heilige Stätte will es, dass  männliche Besucher sich dort mit Kopfbedeckung aufhalten. Üblich ist die rituelle Waschung der Toten, begleitet von Gebeten.


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400 Jahre alt ist der im Wald verborgene Verbandsfriedhof im Bad Rappenauer Teilort, eine der größten und kunsthistorisch wertvollsten Begräbnisstätten in Deutschland.

32 verschiedene Grabsteinsymbole spiegeln die Kunstströmungen der jeweiligen Epoche wider. Auf dem rund ein Hektar großen Gelände befinden sich 1137 Grabstellen. Bis zu 25 Gemeinden aus dem Gebiet zwischen Eppingen, Mosbach und Bad Wimpfen bestatteten dort ihre Toten, zuletzt im Jahr 1937.

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Der israelitische Friedhof von Hohebach ist stilles Zeugnis jüdischen Lebens, das mit dem Jahr 1941 abrupt endet. Über sechs Jahrhunderte ist der Dörzbacher Teilort Heimat jüdischer Familien. Heute ist die Begräbnisstätte mit ihren 300 Grabsteinen eine der spirituellen Stationen auf dem Pfad der Stille im Jagsttal. 

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Die KZ-Gedenkstätte der Miklos-Klein-Stiftung erinnert an die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Sie ist Teil der 1,5 Kilometer langen Rundstrecke unter Tage des Besucherbergwerks in Bad Friedrichshall. Von September 1944 bis März 1945 ist das KZ Kochendorf Außenstelle des elsässischen Konzentrationslagers Natzweiler. Während dieser Zeit sind 1700 Menschen inhaftiert. Die Häftlinge werden von den Nationalsozialsten zur Arbeit für die Rüstungsindustrie in den unterirdischen Salzkammern gezwungen. Dabei lassen viele ihr Leben.

Mit Unterstützung der Südwestdeutschen Salzwerke AG hat die Miklos-Klein-Stiftung eine Gedenkstätte im Salzstollen eingerichtet.
 

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Rosa und Max Pincus leben bis zu ihrer Deportation und Zwangsumsiedlung in der Heilbronner Gymnasiumstraße.
Zwei messingfarbene Steinplatten tragen den Namen der beiden NS-Opfer. Sie wollen erinnern.

"Was ich hier mache, ist Geschichtsunterricht auf der Straße," sagt Gunter Demnig, der Kölner Bildhauer und Initiator der Stolpersteine, die er bewusst am letzten Wohnort der Opfer in die Straße einlässt. Seit 1992 hat er bundesweit mehr als 55.000 Stolpersteine in 800 Städten verlegt.

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Ausgewählt und digital umgesetzt:
Heilbronner Stimme Dokumentation & Archiv
Christiane Franzen, Elke Tritschler-Ueltzhöfer, Dagmar Weigel.
Fotos: HSt-Archiv

Quellen:
Hahn, Joachim: Synagogen in Baden-Württemberg.
Konrad Theiss Verlag, 1987.
Wetterich, Susanne: Davids Stern an Rhein und Neckar.
Silberburg Verlag, 1990.
https://www.elk-wue.de
http://de.chabad.org/
http://www.alemannia-judaica.de
https://de.wikipedia.org
www.lpb-bw.de
 
Heilbronner Stimme - Berichterstattung


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