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Hochwasser in Künzelsau

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Die Sonne strahlt vom Himmel. Die Menschen flanieren fröhlich durch die Künzelsauer Innenstadt. Straßencafés. haben geöffnet. Der Künsbach plätschert vor sich hin. Es ist ein Tag wie aus dem Bilderbuch, ein Tag im Mai 2017.

Nichts erinnert hier an die Sturzfluten, die sich vor einem Jahr, in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai, durch die Stadt ergossen. Doch vergessen werden die Menschen hier das Jahrhundert-Hochwasser nie.


Wollen Sie sehen, wie die Künzelsauer Hauptstraße unmittelbar nach der Katastrophe und heute im Vergleich aussieht? Dann klicken Sie unten auf "Vorher/Nachher-Ansicht starten" und ziehen Sie die Linie im Bild hin und her.
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Am späten Abend des 29. Mai 2016 verwandelt extremer Starkregen die Hauptstraße binnen Minuten in einen reißenden Fluss. Die Schäden sind verheerend: Das Wasser überflutet Keller, reißt Pflastersteine heraus, zerstört Gebäude, verwüstet Geschäfte, schwemmt Autos mit sich. Wie durch ein Wunder kommen in der Stadt keine Menschen zu Schaden.

Das Wasser kommt aber nicht vom großen Fluss Kocher, sondern vom kleinen, bis dato unscheinbaren Künsbach.
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Gegen Hochwasser sind die Kommunen am Kocher gut gerüstet. Nicht aber gegen Sturzfluten, die sich aus den Zuflüssen wie dem Künsbach ergießen. An dessen steilem Hang kann das Wasser nur schwer versickern und gewinnt bei seinem Weg bergab dramatisch an Fahrt.

Binnen einer Stunde fällt mancherorts so viel Regen wie sonst im halben Monat Mai. Die Wetterstation in Kirchberg an der Jagst meldet am Unglückstag 94 Liter auf den Quadratmeter mit dem Spitzenwert 40 Liter in einer Stunde.

Große Schäden an öffentlichen Gebäuden entstehen vor allem am alten Rathaus, wo der Schlamm meterhoch steht, und am Ganerben-Gymnasium, wo nach dem Unwetter 20 Lastwagen-Ladungen Geröll entsorgt werden müssen.


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„Die öffentlichen Gebäude sind zwar versichert, aber der Großteil des Schadens bleibt bei der Stadt hängen“, erklärt Bürgermeister Stefan Neumann. Allein im Unglücksjahr gibt Künzelsau 3,5 Millionen Euro für die Unwetterfolgen aus. Im Jahr 2017 sind dafür weitere 1,5 Millionen Euro im Haushalt eingestellt. Auch in den kommenden Jahren wird der Haushalt vermutlich zusätzlich belastet.

Eines der tragischsten Opfer der Flutnacht ist die Künzelsauer Feuerwehr: Während viele Feuerwehrleute sich die Nacht um die Ohren schlagen, um pausenlos einen Keller nach dem anderen auszupumpen, läuft ihr eigenes Gerätehaus voll. Das Hochwasser zerstört auch Privatfahrzeuge der Feuerwehrleute.

Vom Feuerwehr-Gerätehaus gibt es auf der folgenden Seite erneut eine Vorher-Nachher-Ansicht.
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Noch in der Nacht des Unwetters beginnen erste Einzelhändler mit dem Aufräumen. Und nicht nur sie: Die Hlifsbereitschaft unter den Künzelsauern ist überwältigend. Jeder hilft jedem, Fremden wie Freunden. Das ist auch für Bürgermeister Stefan Neumann die wichtigste Erkenntnis. „Ich bin immer noch überwältigt über den Zusammenhalt und den Fleiß, den die Menschen in dieser Zeit an den Tag gelegt haben“, sagt der Künzelsauer Bürgermeister.
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Nach wenigen Stunden ist der Spuk vorüber. Das Wasser geht - zentimeterdicker Schlamm und meterhoher Schutt bleiben. Tagelang dominieren Dreck, Abfall und Container das Künzelsauer Stadtbild.

Am Tag nach der Unwetter-Nacht kommen die ersten Freiwilligen und packen wortlos mit an. Darunter sind Nachbarn, aber auch viele Studenten und Flüchtlinge. „Das war für mich der bewegendste Moment in all dem Schrecken“, sagt Einzelhändler Jürgen Setzer. Zusammen mit Vater Hermann Setzer betreibt er ein Schuhgeschäft am Unteren Markt in Künzelsau.
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"Wer das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann es nicht glauben“, sagt Hermann Setzer rückblickend. Der Schuhhändler steht nach einer schlaflosen Nacht am nächsten Tag mit seinem Sohn Jürgen Setzer im eigenen Laden kniehoch im Schlamm.

Die Einzelhändler am Unteren Markt, zu denen die Setzers gehören, sind durch das Gefälle der Hauptstraße am stärksten betroffen. Trotzdem hatte das Schuhgeschäft noch Glück im Unglück. „Wir haben eine Gebäude-Elementarversicherung. Insofern sind unsere Schäden weitgehend abgesichert“, sagt Jürgen Setzer. Nicht alle Händler sind in einer entsprechenden Lage.
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In kurzer Zeit schaffen Helfer ganze Schuttberge aus dem Schuhhaus der Setzers, die sich auf der Straße auftürmen. Auch junge afghanische Flüchtlinge helfen tatkräftig mit. Keiner ist sich zu schade für die Arbeit, auch wenn kein Hemd und keine Hose sauber bleibt.
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Wie immens die Schäden auch bei Jürgen Setzer sind, zeigt dieses Bild aus seinem Schuhhaus, entstanden einen Monat nach der Katastrophe: Boden, Wandverkleidungen, Inneneinrichtung - alles ist weg. Das Gebäude musste in den Rohbau-Zustand zurückversetzt, also quasi entkernt werden. Der Händler beginnt bei Null.
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Am Ende summiert sich der Gesamtschaden an öffentlichen Gebäuden allein in Künzelsau auf 7,3 Millionen Euro. Darin sind die privaten Schäden noch gar nicht eingerechnet. Die Kreisstadt ist im Hohenlohekreis am stärksten betroffen – neben Forchtenberg, Niedernhall und Weißbach. Auch wenn es das nahe Braunsbach noch viel schlimmer erwischt.

Einen Monat nach dem Unwetter laufen die Aufräumarbeiten in Künzelsau bereits auf Hochtouren. Ende Juni ist die Hauptstraße eine große Baustelle. Die Fahrbahn am Alten Rathaus wird vorerst nur provisorisch gerichtet.
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Beim Gang durch Künzelsau ist ein Jahr nach dem Unglück nur noch wenig von den Unwetterschäden zu sehen. Am Oberen Bach und in der Gaisbacher Straße ist das Pflaster bisher nur notdürftig geflickt.

Das städtische Gebäude, das der Hohenloher Kunstverein für seine Ausstellungen nutzte, ist noch nicht vollständig wiederhergestellt, und am Ganerben-Gymnasium wird letzte Hand angelegt. Nur die Sanierung des Alten Rathauses wird noch zwei Jahre in Anspruch nehmen. Dort müssen im Untergeschoss sämtliche Räume erneuert werden.

Ansonsten sind alle äußeren Schäden beseitigt. Nur die Schreckensbilder im Gedächtnis der Menschen werden bleiben.

Noch offene Baustellen sehen Sie auf den zwei folgenden Vorher-Nachher-Ansichten.
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Am Unteren Markt erstrahlt inzwischen auch das Schuhhaus Setzer wieder in neuem Glanz. Beinahe lässig lehnt Jürgen Setzer am Regal. "Wir sind froh, dass alles neu ist und dass es jetzt endlich losgeht“, sagt der Schuhhändler.

Am 29. Mai wird das traditionsreiche Schuhgeschäft wieder eröffnen. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem existenzbedrohenden Starkregen.
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