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Eine Nacht in der Notaufnahme

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Schild Zentrale Notaufnahme


Anfeindungen, Anspucken, Augenrollen: Dem Personal in der Notaufnahme des Heilbronner SLK-Klinikums wird oft wenig Respekt entgegengebracht. Wir haben das Team von 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens begleitet - und manche herausfordernde Situation miterlebt. 


Scrollen Sie nach unten, um in die Nachtschicht zu starten.

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Reinhold Groß

Seine Nachtschicht beginnt erst in einer Stunde, doch Reinhold Groß ist schon im Krankenhaus. Er ist der pflegerische Leiter der zentralen Notaufnahme.

„Der Nachmittag war der Horror“, sagt er mit einem Blick in den Computer, wo alle Patienten aufgelistet sind.
Aktuell befinden sich 32 Notfälle in Behandlung. Neben drei Namen leuchten rote Fähnchen auf – bei ihnen ist die maximale Zeit bis zum ersten Arztkontakt überschritten.

Ändern kann Groß das nicht: Es laufen gerade zwei Operationen, da müssen weniger dringende Fälle warten.
Groß schnappt sich eine grüne Patientenmappe und ruft den nächsten Notfall für die sogenannte "Triage" auf.

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Mappen und Patientenarmbänder

Jeder Patient, der ins Krankenhaus kommt, muss sich zunächst bei der zentralen Notaufnahme anmelden – ganz egal, ob seine Beschwerden ein Fall für die HNO-Klinik, die Neurologie, die Gynäkologie oder eine andere Station sind.

Die Empfangsdame fragt Versicherung, Adresse und Beschwerden ab. Es müssen einige Formulare unterschrieben werden, auch zum Datenschutz.

Dann wird jeder Patient innerhalb von zehn Minuten von einer Pflegekraft „ersteingeschätzt“.

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Ein Triage-Zimmer mit Krankenliege

Reinhold Groß muss jetzt einen 16-Jährigen triagieren, der vom Rettungsdienst hergebracht wurde. Der Junge hat sich beim Fußball spielen verletzt. "Der Fuß ist nach vorne, das Knie nach hinten, der Körper zur Seite", erzählt er.

Mit einem Computerprogramm nimmt Pfleger Groß die Angaben auf. Zunächst klickt er an, dass nichts Lebensbedrohliches zu erkennen ist: Keine Atemnot zum Beispiel, kein Schock, der Patient ist ansprechbar.
Das System wechselt von rot zu orange.

Dann fragt Groß den Jugendlichen nach seinen Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn. Es ist eine drei, Groß klickt, das System wechselt zu grün. Kein dringender Fall.

"Jetzt wird angezeigt, dass wir 90 Minuten Zeit haben, bis er von einem Arzt untersucht worden sein muss", erklärt Groß. Für den Jungen heißt das: Warten. Doch er spielt ohnehin schon wieder an seinem Handy herum.




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Wartebereich mit leeren und besetzten Stühlen

Von der Abenddämmerung draußen bekommen die Menschen in der Notaufnahme nichts mit. Die Plätze im hell erleuchteten Wartebereich sind gut belegt, manche sogar mit Jacken reserviert. Vor dem Empfang bildet sich eine kurze Schlange.

Eine Jugendliche kommt auf Krücken hereingehumpelt, sie ist in etwas Spitzes getreten und kann nicht mehr laufen. "Hier sind Kekse drin und was zu trinken und zu lesen", sagt ihre Mutter und reicht ihr eine Tasche. Den beiden ist klar: Es wird eine Weile dauern.

Ein anderer Patient fragt nach, wie lange er noch warten muss. "Ich kann es Ihnen leider nicht sagen, das geht nach Dringlichkeit", erhält er als Antwort. "Scheiße", murmelt er und setzt sich widerwillig zurück auf seinen Platz. "Vielleicht bin ich hier bis zu meinem Tod."




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Im Akkord arbeiten Reinhold Groß und seine Kollegen die ankommenden Patienten ab, triagieren einen nach dem anderen.

Zwischendurch kümmern sie sich um die Fälle, die bereits in Behandlung sind: Groß bereitet jetzt zum Beispiel einen 80-Jährigen mit Ellbogenbruch auf seine OP vor. Brille ab, Gebiss raus, Uhr ab, Schiene anlegen.

"Seit drei Stunden bin ich schon da", beschwert sich der Mann. "Aber es ist doch gut, dass Sie heute noch operiert werden", beschwichtigt Groß. Dann muss er schon weiter zum nächsten Patienten. Als er gerade einem älteren Herren mit einem gebrochenen Finger Blut abnehmen möchte, klingelt das gelbe Telefon, das Groß immer in der Brusttasche trägt.

"Schockraum-Alarm", tönt es aus dem Gerät. "Bitte kommen Sie umgehend in den Schockraum." Groß lässt Kanüle und Patient liegen und läuft los.

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Schild zum Schockraum, kein Zutritt

Eine Schwerverletzte wird erwartet: Reitunfall, bewusstlos, intubiert. Aus der Anästhesie, der Radiologie, der Chirurgie und der Inneren Medizin stehen Ärzte bereit.

Auf dem sogenannten "Rescue Track" kann das Team mithilfe von GPS live mitverfolgen, wann die Patientin eintreffen wird. "Rettungswagen 6-83-1, in ca. 23 Minuten", steht dort. Es dauert länger als gedacht. Die Wartezeit bindet Kräfte, die in der Notaufnahme dringend gebraucht würden.

Reinhold Groß geht nochmal zurück, legt einem Patienten eine Fußschiene an, erledigt Papierkram. Ob er mit den Gedanken schon bei der Schwerverletzten ist? "Ein bisschen, ja."

Um 21.45 Uhr ist es schließlich soweit.

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Ein Schockraum mit Instrumenten und Geräten

"Schon der dritte Schockraum heute", sagt einer der anwesenden Ärzte fassungslos. Ungefähr 350 Mal im Jahr müssen Schwerverletzte hier erstversorgt werden. Drei- bis viermal jährlich finden im Schockraum Not-Operationen statt.

Als der Rettungswagen ankommt, wird es hektisch und ruhig zugleich. Während die Patientin auf die Trage gelegt, ausgezogen und geröntgt wird, hören alle den Schilderungen des Notarztes zu. "Gegen 19.40 Uhr vom Pferd gefallen, Schädel-Hirn-Trauma“, sagt der und erklärt die gelegten Zugänge und Infusionen. Die Patientin liegt im künstlichen Koma und bekommt von alledem nichts mit.

13 Menschen stehen jetzt im Schockraum, das Notarztteam eingerechnet. Eine Pflegekraft steht immer am Patienten, eine zweite am PC – die elektronische Erfassung ist auch bei Notfällen wichtig.

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ein Pfleger nimmt Blut ab

Ein Arzt untersucht den Bauch per Ultraschall, ein anderer kümmert sich um die Beatmung. Innerhalb weniger Augenblicke wurde bereits Blut abgenommen, der Rücken abgetastet, die Pupillenreaktion getestet.

Zehn Minuten nach dem Eintreffen liegt die Frau nebenan im Computertomographen. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt eine Pflegerin und gähnt zum ersten Mal an diesem Abend.

Für die Patientin geht es nun direkt auf die Intensivstation. Das Ärzte- und Pflegerteam kann an seine Plätze zurückkehren. Und wird dort bereits dringend gebraucht.

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Schild "Achtung Datenschutz - bitte bleiben Sie im Zimmer"

Das Warten und die Behandlung im Schockraum haben fast eine Stunde lang viel Personal gebunden – der Wartebereich der Notaufnahme ist voll.

Zwei Polizisten bringen einen Autofahrer zur Blutabnahme. Das Computersystem zeigt an, dass fünf Patienten schon länger auf einen Arzt warten, als sie eigentlich sollten. Darunter ist auch die Jugendliche, die vor zwei Stunden mit Krücken angekommen ist. Sie sitzt nun auf einem Bett im Gang.

Ihre Mutter fragt draußen am Empfang, wann sie endlich zu ihrer Tochter kann. Doch die Notaufnahme ist keine Besuchsstation: Solange die Patienten kein Zimmer haben, können keine Angehörigen zu ihnen. Auch das hat mit dem Datenschutz zu tun.

Die Mutter ist nicht glücklich über diese Regelung, sie wird ungeduldig. Dann beschwert sie sich darüber, dass sie vor dem Krankenhaus einen Strafzettel bekommen hat. „Sie haben hier ja nichts ausgeschildert“, wirft sie der Empfangsdame vor. Die muss sich nun allerdings wieder mit einem Notfall beschäftigen.

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Zwei Pfleger kümmern sich um einen Junkie

Er hatte bereits aufgehört zu atmen, nun liefert er sich eine Diskussion mit der Notärztin: ein 28-Jähriger, der mit akuter Heroin-Überdosis aufgefunden wurde. Hätten die Ärzte nichts unternommen, wäre er jetzt tot.

Zum Pfleger, der ihn zur Überwachung auf den Flur schiebt, ist er freundlicher. Er zeigt das Peace-Zeichen und bedankt sich für die Hilfe. "Sorry, war das erste Mal", sagt er, obwohl seine Krankenakte etwas anderes verrät. 

Dann beginnen die Medikamente zu wirken, er schläft ein. Sein Schnarchen wird die nächsten Stunden auf dem Gang zu hören sein. "Wir sind nicht dazu da, die Leute zu verurteilen", sagt der Pfleger. Das Personal bestellt Pizza.

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Empfang der Notaufnahme

Um Mitternacht endet die Schicht für eine der beiden Empfangsdamen. "Bettentechnisch sieht es nicht gut aus, die Unfallchirurgie ist komplett voll", lautet die Übergabe an ihre Kollegin, die bis sechs Uhr morgens bleibt.

Ob die Zahl neuer Notfälle jetzt zu später Stunde zurückgeht? Nein, sagt die Empfangsdame. Manche Patienten würden extra warten, bis weniger los ist, um mit ihren wenig dringenden Problemen schnell zu einem Arzt zu kommen.

"Wir schicken ja niemanden weg. Die Leute wissen, dass sie behandelt werden." Der Anspruchsgedanke der Menschen sei aber in den vergangenen Jahren gestiegen: Jeder wolle sofort drankommen.

"Letztens hat ein Patient gesagt, ich soll schneller arbeiten, schließlich werde ich von ihm bezahlt", berichtet die Frau.





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Liste mit Notfallnummern

Ungeduldige Patienten seien aber noch das geringere Problem – manche würden geradezu aggressiv werden.
"Wir haben schon alles gehört", sagt die Dame am Empfang. "Nutte, Schlampe ... sogar Morddrohungen."

"Wir warten draußen auf dich, komm nur raus", hätte einmal eine Gruppe gesagt. Und ein Patient habe sogar versucht, über den Empfangstisch zu klettern, um einer Kollegin ins Gesicht zu schlagen. Im Empfang hängen gut sichtbar die Nummern des klinikeigenen Sicherheitsdienstes sowie der Polizei in Böckingen.

Auch wenn handgreifliche Gewalt im SLK-Klinikum die Ausnahme ist: Mit Beleidigungen, Augenrollen und abschätzigem Schnaufen muss das Personal leben. „Solche subtile Gewalt ist an der Tagesordnung“, sagt Notaufnahme-Leiter Reinhold Groß.

„Alkoholisierte Patienten, die stänkern, haben keine Distanz mehr. Hurensohn, Fotze, da fallen alle Hemmungen", erzählt Groß.  Gegen die sogenannten C2-Patienten – eine Abkürzung für die chemische Formel C2H5OH, Alkohol – könne man aber nicht viel ausrichten. 


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Die Telekommunikationsfirma Ascom, die auch Notrufsysteme für Krankenhäuser herstellt, ließ das Problem 2014 in einer deutschlandweiten Studie untersuchen.

Fast drei Viertel der befragten Pfleger und Ärzte in Notaufnahmen gaben an, dass es im vergangenen Jahr gewaltsame Übergriffe gegeben habe.

Die Betroffenen nannten Randalieren, Handgemenge, Schläge, Tritte, das Werfen von Gegenständen und sogar Waffengewalt als Beispiele.


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In vielen Fällen sind Alkohol und Drogen Auslöser für die Gewalt.

Häufiger als unzufriedene oder traumatisierte Patienten werden laut der Ascom-Studie aber ihre Angehörigen gewalttätig.

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rescuetrack kündigt Schlägerei an

"Jetzt kommt eine Schlägerei", sagt ein Mitarbeiter mit Blick auf den "Rescue-Track"-Monitor und wirkt fast schon vergnügt. Solche Fälle ist das Klinikpersonal in den Nächten am Wochenende gewohnt. Was sie genau erwartet, wissen die Mitarbeiter aber bis zum Eintreffen des Rettungswagens nicht.

Es ist dann eher unspektakulär: Ein Zwanzigjähriger kommt herein, sein Gesicht und seine Hände sind blutüberströmt. Auch die weißen Sneaker sind rot gesprenkelt. Laufen kann er noch problemlos.

Auf der Heilbronner Allee hätten zwei Unbekannte ihn von hinten attackiert, berichtet er bei der Triage. Jetzt tue ihm die Nase weh.




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Auf Nachfrage erklärt der 20-Jährige, dass er seinem Cousin helfen wollte, der in eine Auseinandersetzung geraten war.
"Der hat auch auf die Fresse bekommen", sagt der Patient. "Ich weiß nicht, wo er ist. Er wollte nachkommen."

Der Mann atmet schwer durch die Nase. "Ich habe viel Blut verloren. Die Straße war voll."

Wenige Minuten später kommt sein Cousin in die Notaufnahme, anscheinend unversehrt. Der Patient weigert sich, im Behandlungsraum zu bleiben, weil er zu seinem Cousin in den Wartebereich möchte. Das Personal muss "den Schlägertypen", wie sie ihn nun intern nennen, mehrmals suchen.




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Behandlungsraum im Halbdunkeln

Eine Frau kommt mit ihrer Familie in die Notaufnahme, ihr ist übel. "Ich habe um 19.30 Uhr Kalamari gegessen und seitdem Durchfall wie Wasser", erzählt sie. In der Hand hält sie einen kleinen grünen Plastikeimer, weil sie sich andauernd übergeben muss.

Als sie mit der Anmeldung fertig ist, kommt "der Schlägertyp" zurück und fragt, wie lange es noch dauert. "Ich habe Schmerzen", sagt er und rollt mit den Augen, weil er noch warten muss.

Um 1.50 Uhr kommt der Sicherheitsdienst auf seiner Runde durchs Krankenhaus vorbei. Seit einigen Jahren patrouilliert er 24 Stunden täglich durchs Gebäude. "Heute ist eine ruhige Nacht", meint der Mann und muss schon wieder weiter: Draußen auf der Baustelle nach dem Rechten sehen, dort werde häufig Baumaterial geklaut.

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Kaffeemaschine in Betrieb

Die Kaffeemaschine im Personalraum läuft die ganze Nacht. In der Aufnahme ist es ruhiger geworden, die Mitarbeiter legen immer wieder kurze Pausen ein.

12.000 Schritte läuft ein Pfleger pro Schicht im Durchschnitt durch die langen Gänge. In der früheren Notaufnahme im Altbau waren es laut Reinhold Groß nur etwa 5.000.

Ein Arzt erzählt, dass er demnächst als Zeuge vor Gericht aussagen muss – weil ein Patient bei einer Blutabnahme ausgerastet ist. "Der war total aggressiv, hat geschlagen, getreten und einen Polizisten gebissen", erzählt der Arzt, dem selbst nichts passiert ist. "Ich war schneller."

Er schüttelt den Kopf und macht sich auf den Weg zum nächsten Patienten, der bereits ungeduldig in der Tür seines Behandlungszimmers steht und laute Musik in den Flur dröhnen lässt.

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Ein Computertomograph

Die ganze Familie des "Schlägertypen" kommt in die Notaufnahme und verlangt, zu ihm zu dürfen.

"Das geht nicht, er ist gerade im CT", erklärt die Empfangsdame freundlich. Die Schwester des Patienten bricht in Tränen aus. Nach einer Viertelstunde kommt "der Schlägertyp" aus dem CT zurück und geht zu seiner Familie, obwohl er im Behandlungszimmer bleiben soll.

Eine Stunde später schnauzt er die Empfangsdame an, ob er heute noch behandelt werde. Um 3.20 Uhr sitzt er immer noch im Wartebereich und diskutiert lautstark mit seiner Mutter. Vier leere Stühle stehen zwischen den beiden.

Seine Schwester verlangt nach einem Kühlpack für seine Nase, die Empfangsdame reicht es ihr wortlos. "Wenn er nicht im Behandlungszimmer bleiben will, kann ich ihm auch nicht helfen", sagt sie zu einer Kollegin.

Um 3.30 Uhr kommen schließlich die Ergebnisse aus der Radiologie: Seine Nase ist gebrochen, er wird zum HNO-Arzt weitergeschickt. In der Notaufnahme ist man froh, die Familie wieder los zu sein.

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Ausblick vom Hubschrauberlandeplatz

Die Pizza ist längst aufgegessen, am Empfang ist es ruhig. Das Personal grüßt sich mittlerweile mit "Guten Morgen".

Zum Durchschnaufen bietet sich ein kurzer Ausflug in den neunten Stock an, zum Hubschrauberlandeplatz. Von hier kann man auf die gesamte Innenstadt blicken.

Es ist kein Blaulicht mehr zu sehen, kein Martinshorn zu hören. Um 4.30 Uhr ist der Wartebereich der zentralen Notaufnahme zum ersten Mal leer.

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Pfleger schauen sich Klinikbewertungen im Netz an

Die Pfleger und Ärzte vertreiben sich die Zeit im Stützpunkt damit, Klinikbewertungen im Internet durchzulesen. Die meisten sind vernichtend.

Weniger zufrieden, unzufrieden, sehr unzufrieden – so lauten viele Urteile auf Bewertungsportalen. "Die zentrale Notaufnahme ist eine Katastrophe", liest eine Nachtschwester vor.

Aber auch: "Die Mitarbeiter geben unter den Umständen ihr Möglichstes." Die Pflegerinnen sehen sich an und zucken mit den Schultern.

Ein Arzt kommt von einer Operation zurück, er hat gerade einer Frau das Leben gerettet. "Die hatte seit zwei Wochen eine Blinddarmentzündung und der Hausarzt hat sie mit Antibiotika gefüttert", erzählt er. Die Pflegerin klickt die Klinikbewertungen weg.  

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EKG

Der Obdachlose mit der Heroin-Überdosis darf die Notaufnahme verlassen. Stundenlang wurde er überwacht, um einen weiteren Atemstillstand zu vermeiden – jetzt ist er wieder stabil.

Auch die Jugendliche mit Krücken durfte längst nach Hause. Als ihre Mutter gehört hat, dass die Pfleger der Nachtschicht bis sechs Uhr durchhalten müssen, hat sie sich für ihre Ungeduld entschuldigt.

"Es war eine ruhige Nacht", sagt Notaufnahme-Leiter Reinhold Groß. Trotz Schockraum, trotz des "Schlägertypen".

Die Pfleger und Ärzte in seinem Team wirken nicht müde. In einer halben Stunde dürfen auch sie endlich nach Hause. 









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Text, Videos und Umsetzung:

Julia Weller


Fotos:
Julia Weller
SLK-Klinikum
Maurizio Gambarini/Patrick Seeger/dpa/lsw

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