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Der Jakobsweg in der Region

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Der gelbe Muschelpfeil weist den Weg bis nach Santiago de Compostela in Spanien. Jakobsweg-Pilger müssen jedoch gar nicht so weit reisen, sie können auch direkt vor der eigenen Haustür starten: Eine Route führt durch den Hohenlohekreis von Heimhausen bis ins Kloster Schöntal. Volontärin Christine Faget hat sie getestet.

Scrollen Sie nach unten, um zu erfahren, wie es Pilgern im Hohenlohekreis ergeht.

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Wie ein GPS hilft der gelbe Muschelpfeil bei der Orientierung: Auf dem Weg nach Santiago de Compostela und viel mehr noch im eigenen Leben. Nur schwer lässt sich die Erfahrung in Worte fassen, die mir der gelbe Pfeil vor zwei Jahren auf dem Jakobsweg – dem Camino – beschert hat. Doch wie pilgert es sich in der Region, direkt vor der eigenen Haustür? Kommt auch hier, fast 2000 Kilometer von Santiago entfernt, diese besondere Camino-Stimmung auf?

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Auf 183,7 Kilometern führt eine Route von Rothenburg ob der Tauber nach Speyer. Ich will es wissen und die 34 Kilometer lange Etappe durch den Hohenlohekreis von Heimhausen zum Kloster Schöntal wandern. Zwar schwenkt dort kein großer Kessel Weihrauch durch eine mit erschöpft-glücklichen Pilgern gefüllte Kathedrale wie in Santiago. Das Kloster scheint mir jedoch ein erhabenes Ziel für mein Vorhaben zu sein.

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Heimhausen liegt noch in angenehm kühler Morgendämmerung, als ich gegen 6.30 Uhr den Rucksack schultere und mir selbst einen „Buen Camino“ wünsche, da weit und breit kein weiterer Pilger zu sehen ist. Ob ich irgendjemandem auf meiner Mini-Pilgerreise begegne? Das frage ich mich leise und genieße die Einsamkeit im Tal.

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Stete Begleiterin ist die Jagst. Mal plätschert sie sanft direkt neben mir, mal ahne ich sie nur hinter dem im Wind rauschenden Blätterteppich. Die wegweisende Jakobsmuschel scheint da beinahe überflüssig – in der Talsohle ist es eine Kunst, sich zu verlaufen.

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Und trotzdem: Freude durchströmt mich jedes Mal, wenn ich sie an Laternenmasten oder Bäumen entdecke. Gleichzeitig bin ich verwirrt: Weisen nun die Strahlen oder zeigt der Rumpf die Richtung? Für mich beschreibt das Muschelsymbol meine Camino-Erfahrung in Spanien ziemlich gut – diese Symbolik hilft mir bei der Orientierung: Menschen strömten aus allen Richtungen zum Grab des Heiligen Jakobus. Egal ob Rentner, Soldatin oder Anwalt – der Camino verband sie alle. Genau, wie sich die gelben Strahlen im Muschelrumpf vereinen.

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In Hohenlohe bin ich jedoch erstmal ziemlich lange alleine unterwegs: Erst zwischen Mulfingen und Ailringen radelt mir eine Mutter mit ihrer Tochter entgegen. Der ursprüngliche Jakobsweg verlief oben auf dem ehemaligen Handelsweg Hohe Straße. Als Pfarrer Manfred Tschacher ihn mit seinem Team 2009 neu ausschilderte, nutzten sie die bestehende Infrastruktur und leiteten ihn entlang des Jagsttalradwegs durch das Tal. Für Gemeinden wie Pilger ein Vorteil: „Dort finden die Pilger nicht nur Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, sie haben auch die Möglichkeit, in Kirchen und Kapellen zu verweilen“, sagte Tschacher damals.

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Trotzdem: Der Camino gehört hierzulande immer noch klar den Radlern. Wie zum Hohn wünscht manch ein Schild am Wegesrand „Gute Fahrt“, während meine Beine bereits bei Kilometer Zwölf anfangen zu schmerzen. Die Landschaft entschädigt und irgendwann erhascht mein Blick einen Wegweiser, den ich am liebsten umarmen möchte: Nur noch zehn Kilometer bis ins Kloster! Allerdings: Pilger freuen sich in Hohenlohe oft zu früh. Nur einige Kilometer weiter verkündet der nächste Wegweiser „Zwölf“. Zu früh gefreut. Ich beschließe, mich lieber auf mein Handy-GPS zu verlassen als auf die willkürlich scheinenden Entfernungsangaben.

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Meine Laune steigt, als ich endlich drei Leidensgefährten treffe: Alex, Fabi und Jonas spielen eigentlich zusammen Fußball in Bretzfeld. Nun wandern sie schwerbepackt fünf Tage auf dem Kulturwanderweg Jagst. Wie zig andere Wege auch, nimmt dieser die Route des Jagsttalradwegs. „Wir wollten mal was Anderes machen. Auch, um den Kopf freizukriegen“, erzählt Alex. Er findet vor allem spannend, nicht zu wissen, wo man übernachtet – zum Schlafplatz haben die drei in der Nacht zuvor eine Waldhütte auserkoren.

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Die Begegnung schenkt neuen Mut.
Genauso wie die Sprüche,
die Martina Schäfer aus Sindeldorf
aufgehängt hat. Selbst Pilgerin,
weiß sie aus Erfahrung:
In Deutschland bucht man
Schlafplätze besser im Voraus.

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Gebucht habe ich nicht. In einer Waldhütte schlafen will ich eigentlich auch nicht. Sondern im Klostergebäude der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Umso größer die Enttäuschung: Es gibt nur Doppel- oder Einzelzimmer. Zwar sind diese mit Pilgerausweis günstiger. Doch die billigste Variante – eine Nacht im Doppelzimmer – kostet 35 Euro pro Person. „Sie kriegen ja auch entsprechende Leistungen“, erklärt Leiterin Bettina Bienlein.

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Ich suche beim Pilgern jedoch nicht Komfort, sondern die Begegnung mit Menschen, die ähnliche Fragen an das Leben haben – egal ob Rentner oder Soldatin. Denn vor allem die vielen inspirierenden Begegnungen sind es, mit denen der gelbe Muschelpfeil Pilgern Orientierung im eigenen Leben schenkt.

Das Fazit also: Wer in Ruhe pilgern will, ist in Hohenlohe genau richtig. Wer hingegen Begegnungen und Weggefährten sucht, der pilgert besser in Spanien. Oder er macht in den Dörfern Pause und plauscht mit Hohenlohern. Es gibt nämlich auch hierzulande inspirierende Menschen.

Welche Utensilien beim Wandern nicht schaden, lesen Sie auf der nächsten Seite:

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Text und Fotos: Christine Faget

Grafiken: Stefanie Völlinger

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