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Bergrasenmäher-WM in Steinkirchen

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Scrollen Sie nach unten, um in diesen kuriosen Wettbewerb einzutauchen.


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1. Einen Strohballen mit einer Wasserkiste  auf den Mäher wuchten und dann den Berg hoch schieben

2. Mehrere Bahnen an einem Hang mähen

3. Den Mäher auf einer Wippe balancieren und dabei eine halbe Maß Bier leeren

In die Wertung fließen außerdem Alter von Teilnehmer und Maschine, Verkleidung sowie das Mähergebnis ein.
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Lautes Knattern, Rattern und Brummen setzt ein, verdrängt die Stille, mischt sich mit aufbrandendem Jubel aus tausend Kehlen. Langsam breitet sich Benzin-Geruch über der Kocheraue von Steinkirchen aus, lässt die Herzen von Motorsportfans freudig hüpfen.

Statt schnittiger Formel-eins-Schlitten preschen zwölf Männer und ihre Balkenmäher los – über Gras, eine Holzwippe und hinein ins Stoppelfeld, den Berg im Visier. Dabei geht es um nichts Geringeres als den Weltmeistertitel im Bergmähen. Zum zweiten Mal nach 2014 wird der in dem 300-Seelen-Dorf im Kreis Schwäbisch Hall vergeben.
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„Das Ganze ist aus einer Bierlaune heraus geboren“, sagt Heinz Göltenboth. Der Jurychef und geistige Vater der WM hält kurz inne und ergänzt: „Für den Erhalt der hiesigen Kulturlandschaft sind die Bergmäher von jeher von großer Bedeutung. Mittlerweile haben die Mäher aber meist vier Beine.“ Ein breites Grinsen legt sich über das braungebrannte Gesicht. Dann wuselt Göltenboth auch schon weiter, zurück ins Getümmel. 
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Bei einer Weltmeisterschaft ist viel zu tun. Dass die überhaupt stattfinden kann, ist nicht selbstverständlich, nachdem das verheerende Mai-Unwetter vergangenes Jahr die Gemeinde Braunsbach und ihre Teilorte in ein Trümmerfeld verwandelt hat. „Aber so war die Motivation umso größer, das zu stemmen“, sagt der Bürgervereins-Vorsitzende Wolfgang Unrath.
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Im grellen Licht der Nachmittagssonne geht es für die Teilnehmer den Berg hinauf. In Reih’ und Glied warten dort auf dem Stoppelfeld rechteckige Strohballen – darauf rote Plastikwannen mit Wasser gefüllt. Vorsichtig nähert sich der Führende Klaus Bauer mit der Startnummer zehn. Der herbe Geruch des abgemähten Feldes verbindet sich mit den Abgasen des Mähers zu einem Gemisch, das für Dorfkinder nach Sommer riecht. 
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Mehrmals fährt Bauer seinen roten Agria-Mäher auf dem Stoppelfeld vor und zurück, versucht den Ballen auf seinen Balken zu hieven. Wasser spritzt aus dem Behälter in die Höhe, schwappt über den Rand. Bauers Stirn unter dem Strohhut legt sich in Falten, er startet einen neuen Anlauf.
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Die ersten Konkurrenten stoßen hinzu, versuchen ihr Glück. Dann hat Klaus Bauer es geschafft. Den Ballen auf seinem Agria marschiert er, vorsichtig aber zügig, weiter den Berg hinauf. Schweiß steht ihm auf der Stirn. Die anderen nehmen nach und nach die Verfolgung auf.

Unter ihnen der amtierende Weltmeister Werner Schumacher aus Jungholzhausen mit der Startnummer eins. Sein Ziel? „Selbstverständlich die Titelverteidigung“, sagt er selbstbewusst. Die Maschine eines Konkurrenten stößt eine kräftige Abgaswolke aus, die Schumacher und den Berg für einige Sekunden in einen nebeligen Schleier hüllt. Luft anhalten, weiter geht’s.
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Eine Gruppe von vier Schiedsrichtern in gelben Warnwesten nimmt die plätschernde Fracht der WM-Teilnehmer entgegen. Mit dem Wasser ist allerdings Vorsicht geboten. Denn je mehr im Behälter verblieben ist, desto besser für die Wertung. Das Reglement setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen, die Heinz Göltenboth sich mit seinen Mitstreitern vom Bürgerverein ausgedacht hat. „Meist nach Mitternacht“ sei das gewesen, scherzt er.

So gibt es Punkte für ein möglichst historisches oder originelles Outfit der Teilnehmer, Alter von Mensch und Maschine sind berücksichtigt, genauso wie Zeit, das Geschick bei den Hindernissen und „das Mähbild“, wie Göltenboth es nennt. Also ein sauberes Mähergebnis.
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Oben, am steilsten Teil des Berges, markiert zwischen alten Apfel- und Kirschbäumen rot-weißes Absperrband die Bahnen, die es sorgfältig zu mähen gilt. Ein Teilnehmer nach dem anderen biegt in seine Bahn ein, mäht sich durch das hohe, saftige Gras. Der Regen vergangener Tage hat der Wiese gut getan. Doch bei kräftigem Knattern und Zurren geht es den gelben, violetten und weißen Wiesenblumen reihenweise an den Kragen.
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Aus dem Tal schallen die Anfeuerungsrufe der mehr als tausend Schaulustigen herauf. Die ersten Bergmäher stürzen sich ihnen bereits im Laufschritt entgegen. Allen voran Tobias Wirth mit der Startnummer drei. Im beige-grauen Jutegewand mit Wikinger-Kopfbedeckung hat er das kreativste Kostüm. Ob es ihm für den Sieg reicht? Auf den letzten Metern versperrt ein weiteres Hindernis den Weg.
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Unter Klatschen und Jubel der Zuschauer fährt Wirth sein Mähgerät auf die Holzwippe. Er versucht, sich und sein Agria von 1963 in Balance zu bringen. Immer wieder kippt die Wippe aus verschraubten Holzpanelen auf dem darunterliegenden Baumstamm nach hinten, nach vorne, nach hinten, nach vorne. Endlich: Es hält, ist im Gleichgewicht.
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Nun muss Wirth so lange in Position verharren, bis er eine halbe Maß Bier geleert hat. Auch dafür gibt es Punkte. Erst dann darf er ins Ziel fahren. Die Flüssigkeitszufuhr nach der anstrengenden Bergtour stellt aber bei keinem der Teilnehmer einen ernsten Härtetest dar.
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Hoch oben am Berg zieht ein einsamer Teilnehmer derweil noch immer seine Bahn. Ein idyllisches Bild, doch Thomas Longaver aus Öhringen kämpft mit seinem Mäher aus dem Jahr 1949. „Ich musste andauernd gebückt gehen und den Schwimmer am Vergaser gedrückt halten“, erzählt der 29-Jährige.

Zwar habe er die Maschine, die er im Internet erstanden hat, auseinandergenommen und zum Laufen gebracht. Genug Zeit, sie „vernünftig zu richten“, habe er nicht gehabt.
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Schon am Start kam er verspätet los. Das altersmüde Gerät wollte nicht anspringen. Unterwegs ging es wiederholt aus. Kostbare Zeit, in der die anderen Meter für Meter Vorsprung herausfuhren. Nun nähert er sich endlich dem Ziel. Die Zuschauer feiern ihn, als wäre er der Sieger. Sichtlich erschöpft überwindet er das letzte Hindernis. 
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Dann ein kurzer Aufschrei im Publikum. Longaver lässt den Mäher ins Ziel rollen, doch ausgerechnet dieses Mal geht er nicht aus, sondern fährt auf die Besucher zu. Geistesgegenwärtig bekommt der Öhringer seine Maschine wieder zu fassen und verhindert eine Kollision. Ein Schreck, Erleichterung, Jubel.
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Das Warten auf die Siegerehrung beginnt. Der Titelverteidiger ist zuversichtlich, gibt entspannt ein kurzes Fernsehinterview. Aber auch andere schielen auf die drei polierten Pokale, die am Rand der kleinen Bühne in der Sonne glänzen. Ulrich Stein vom Bürgerverein stimmt mit seiner Trompete die deutsche Nationalhymne an. Über Lautsprecher schallt sie durchs Tal, die Menge schweigt andächtig. 
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Das Treppchen mit der Nummer drei besteigen dann gleich zwei Bergmäher: Gerhard und Felix Grund aus Bad Schönborn (Kreis Karlsruhe). Vater und Sohn haben die gleiche Punktzahl ermäht. „Das gab es auch noch nicht“, sagt Wolfgang Unrath. Platz zwei geht an den Hohenloher Wikinger Tobias Wirth.
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Viele Punkte für Kostüm und Zeit haben sich für den 23-Jährigen aus Pfedelbach-Baierbach ausgezahlt. Dann steigt die Spannung: Schafft es der amtierende Weltmeister Werner Schumacher, seinen Titel zu verteidigen? 
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Alle Blicke sind auf den Mann mit der markanten Feder am Hut und den Hosenträgern gerichtet. „Sieger der zweiten Steinkirchener Bergmäher-WM ist – Gerd Wägele.“ Schumacher ist entthront, übergibt dem Feßbacher Hünen mit dem Schnauzbart das goldene Mähmesser.
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„Ein bisschen verrückt sind wir schon“, sagt Heinz Göltenboth über die Steinkirchener und ihre etwas andere WM. Dass die bislang an Internationalität vermissen lässt, stört ihn nicht. „Komm, wir machen eine WM draus, das gibt es noch nirgends“, hätten einige im Bürgerverein vor Jahren gefordert. Gesagt, getan.
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Text und Fotos: Tamara Ludwig

Digitale Umsetzung: Janis Dietz
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