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Beltersrot: Dorfleben im Wandel

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Wie erlebten die Menschen das Dorfleben früher, wie sollten sie sich verhalten? Wie lebten und arbeiteten Landwirte? Und was passierte mit armen Menschen? Eine Betrachtung am Beispiel des Dorfes Beltersrot im Hohenlohekreis. 

Scrollen Sie nach unten und klicken Sie auf der folgenden Karte auf verschiedene Orte in dem kleinen Dorf. 
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Die Übersichtskarte: Beltersrot 1948

Hannesles Haus

Die Sage von den Teufelskünsten

Das Salmansgut

Wie Beltersrot entstand und bewirtschaftet wurde

Hof Kircher

Wie Handwerksbetriebe entstanden

Das Armenhaus

Wie Dörfer mit Bedürftigen umgingen

Beltersroter Mostbirnen

Die Sage vom Gretemerte

Das Gemeindehaus

Wie sich die Dorfbewohner verhalten sollten

Das Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein

Wie die Dorfordnungen entstanden

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Das Salmansgut

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Die ehemalige Lehrerin Elfriede Killinger vermutet in einem Buch von 1948, dass ein Balderich um 1245 einen Teil des damaligen Ohrnwalds rodete. Dort legte er seinen Acker an. Er war also der erste Siedler und erster Landwirt im Dorf.

Balderich besaß das Stück Land als Lehnsmann. Das bedeutete damals, dass er das Land bewirtschaftete, Eigentümer jedoch der Lehnsherr war. Diesem musste Balderich Zehntabgaben zahlen und dienen.

Schon bald folgten Balderich weitere Holzfäller und Bauern. Das Salmansgut war lange Zeit einer der zwei Höfe im Dorf, die das meiste Land besaßen. Ein Hof wurde in der Regel vom ältesten Bauernsohn übernommen. Jüngere Söhne hatten es hingegen schwer: Sie mussten versuchen, sich in andere Höfe einzuheiraten. Wenn das nicht klappte, arbeiteten sie als Knechte oder im Tagelohn.

Nur auf zwei Höfen im Ort wird inzwischen noch Landwirtschaft im Vollerwerb betrieben. Das ehemalige Salmansgut ist einer davon.

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Hannesles Haus

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Ulrich Kircher aus Beltersrot kann seine Wurzeln in dem rund 240-Seelen-Dorf bis 1437 zurückverfolgen. Bei einem Spaziergang zeigt er Hannesles Haus, das Haus seiner Vorfahren.

Einer von ihnen soll das siebte Buch Mose besessen haben. Der Legende zufolge waren darin Teufelskünste überliefert; Hannesle soll sich sogar unsichtbar gemacht haben. Eines Tages schlug ein Knecht das Buch auf, da erschien ihm plötzlich der Teufel. Hannesle kam zur Tür herein und streute Erbsen aus – der Teufel sammelte sie auf, und Hannesle hatte genug Zeit, ihn zurückzubeten. Als der Hannesle schließlich eine Scheune baute, vergrub er das Teufelsbuch darunter.

Hannesles Haus ist inzwischen abgerissen, ein anderes Haus wurde hinter dem abgerissenen Haus gebaut.
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Hof Kircher

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Die Auswirkungen der französischen Revolution von 1789 machten sich selbst in Beltersrot bemerkbar: Alte Dorfgesetze lockerten sich, Dorfbewohner konnten von nun an ein Handwerk ausüben.

Diese Möglichkeit nutzten in Beltersrot 1810 zuerst ein Schmied und ein Wagner. Ulrich Kirchers Opa gründete um 1936 ein Fuhrunternehmen, weil er mit dem Hof allein nicht überlebensfähig war. „Diese Gewerbe finden ihr gutes Auskommen im Bauerndorf, ihre Fertigkeiten werden gebraucht, und die Familien gelangen zu einer gediegenen Wohlhabenheit“, schreibt Elfriede Killinger, die später Elfriede Winkler hieß, in einem Buch über Beltersrots Geschichte. 
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Das Armenhaus

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Jan Wiechert vom Hohenlohe-Zentralarchiv erklärt: Wenn jemand verarmte und zu keinem Haus gehörte, bekam er früher unmittelbare Unterstützung von der Gemeinde. „Die Zugehörigkeit zur Gemeinde war damals noch ein Recht.“

Das heißt: Für die eigenen Leute sorgte die Gemeinde, für Fremde nicht – die wurden in Armentransporten zurückgekarrt. Denn Elend galt als gottgegeben. „Das ist eine protestantische Haltung, die in der Gegend weit verbreitet war“, erläutert Wiechert.

Auch der Hirte wohnte in Beltersrot zuletzt mit im Armenhaus. Er hatte eine Sonderfunktion: Als Gemeindeangestellter war er nicht unbedingt Bürger des Dorfes. „Er war so ziemlich der Einzige im Ort, der nirgends so richtig dazugehörte“.
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Beltersroter Mostbirnen

Ein Vogel soll im Garten des Gretemerte einen Kern fallen gelassen haben. Daraus entsprossen die Beltersroter Mostbirnen, die sogar in Heilbronn bekannt waren: Ein Heilbronner Gastwirt fuhr regelmäßig nach Beltersrot, um seine Mostfässer damit zu füllen.

Fast wäre die einzigartige Birnensorte ausgestorben. Doch Ulrich Kircher pflanzte ein paar Ableger. Jetzt blühen Gretemertes Birnenbäume wieder im Ort. Hobbygärtner Kircher weiß: „Für Most und Schnaps sind die Birnen gut. Aber zum Essen sind sie nicht gut. Da ist ziemlich viel Gerbsäure drin.“
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Das Gemeindehaus

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Mittelpunkt des Dorflebens war die Weeth: Bei dem Teich in der Mitte des Dorfes versammelten sich die Bewohner, wenn der Dorfmeister ins Horn blies. War jemand ohne Entschuldigung nach mehr als 15 Minuten nicht da, musste er sechs Kreuzer Strafe zahlen. So steht es in der Dorfordnung von 1681.

Jeder musste sich an Arbeiten im Dorf beteiligen, zum Beispiel beim Wegebau. Auch das legt die Dorfordnung fest. Ebenso wie die gewünschten Charaktereigenschaften eines Beltersroters: ein „feines, nüchternes, ehrbares, mässiges und gottesfürchtiges Leben“ sollte er führen. Per Anwesenheitsliste wurde kontrolliert, ob auch jeder Gottesdienst und Abendmahl besuchte.

Nicht gewünscht war hingegen, dass das „junge Gesind“ nach der Betglockenzeit mit „Schreien, Tanzen, ohnnötig Schiessen oder anderes“ durch die Straßen zog. Bei Verstoß mussten Männer sechseinhalb, Frauen sechs Kreuzer Strafe zahlen. Was mit den Strafzahlungen gemacht wurde? „Die wurden normalerweise im Dorf zusammen versoffen“, schmunzelt Historiker Jan Wiechert.

Direkt neben der ehemaligen Weeth steht auch heute noch das Gemeindehaus. Nun trötet hier kein Dorfmeister mehr. Stattdessen bimmelt jeden Abend pünktlich um 18 Uhr die Glocke: Dann müssen alle Kinder nach Hause zum Abendbrot.
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Das Hohenloher Zentralarchiv

„Die Dorfordnung ist in der Regel nicht aufgestülpt“, erklärt Historiker Jan Wiechert vom Hohenlohe-Zentralarchiv im Neuensteiner Schloss (HZAN). Dort liegen viele der Ordnungen aus dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hohenlohe vor, manche auch in Maschinenschrift.

Über viele Jahre wurden die Dorfordnungen von der älteren Generation an die jüngere mündlich weitergegeben. Meist im 17. Jahrhundert hielt ein Schreiber sie schließlich fest: „Gemeinhin galt auf dem Land: Die Rechtsvorstellung ist nicht veränderbar, sondern wird weitergetragen, weil sie von Gott gesetzt ist." Der Graf segnete die Ordnungen oft nur noch ab.

Das HZAN bietet jeden ersten Donnerstag im Monat von 16.30 bis 18.30 Uhr einen offenen Beratungsabend an. Mindestens einmal im Halbjahr gibt es einen Lesekurs. Online lassen sich Dokumente unter www.landesarchiv-bw.de vorrecherchieren und ins Archiv bestellen.



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Text: Christine Faget

Bilder: Elfriede Winkler (geborene Killinger)/Christine Faget/privat

Mit Material von: Elfriede Winkler



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Kapitel 1 Startseite

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Kapitel 2 Die Übersichtskarte: Beltersrot 1948

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Kapitel 3 Das Salmansgut

Das Salmansgut

Kapitel 4 Hannesles Haus

Hannesles Haus

Kapitel 5 Hof Kircher

Hof Kircher

Kapitel 6 Das Armenhaus

Das Armenhaus

Kapitel 7 Beltersroter Mostbirnen

Beltersroter Mostbirnen

Kapitel 8 Das Gemeindehaus

Das Gemeindehaus

Kapitel 9 Das Hohenloher Zentralarchiv

Das Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein

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